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Glücksbote Sport

Bewegung bringt das Gehirn in Schwung

Bewegung kräftigt nicht nur die Muskeln und hilft beim Stressabbau. Sport kurbelt auch die Bewegung im Gehirn an und fördert die Denkleistung – in jedem Alter.

Wenn Philipp Meyer tagsüber keinen Sport gemacht hat, geht er zumindest spazieren. Derzeit dreht der 19-Jährige aus Vaihingen an der Enz täglich eine Runde. Jeden Abend den gleichen Weg, rund 20 Minuten, um endlich seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. "Ich gehe einfach sehr gern raus", erzählt er. "Für mein mentales Wohlbefinden ist Bewegung wichtig."

Einen freien Kopf zu bekommen, ist für den Schüler von so großer Bedeutung wie nie zuvor. Gerade steckt er in Prüfungsvorbereitungen, sitzt oft am Schreibtisch. Normalerweise spielt Philipp Fußball im Verein, außerdem geht er regelmäßig auf den Basketballplatz. "Weil ich mich während der heißen Prüfungsphase aber nicht verletzen will, habe ich mein Sportprogramm ausgesetzt", sagt der junge Mann. Die Ernsthaftigkeit, mit der sich Philipp um die Schule kümmert, zahlt sich aus. Er hat einen Notendurchschnitt von 1,1. Sein Wunsch, demnächst Wirtschaftsinformatik zu studieren, wird sich wohl erfüllen. Regelmäßiger Sport und Bewegung helfen ihm, seine Ziele zu erreichen. Sobald der Schulstress hinter ihm liegt, wird er wieder dribbeln, kicken, Tore schießen.

Die Erfahrungen von Philipp Meyer decken sich mit den Ergebnissen einer Studie der Technischen Universität München (TUM). Mehr als 6.500 Kinder im Grundschulalter hatten sich einem körperlichen und geistigen Fitnesstest unterzogen. Das Ergebnis: Jungen und Mädchen, die gut in Form sind, können sich besser konzentrieren und schaffen eher den Sprung aufs Gymnasium. Ein Vorteil, der das Leben prägt.

Wie ein Neustart beim Computer

Macht Sport einen Menschen schlauer? Prof. Dr. Dr. Stefan Schneider vom Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln ist sich sicher, dass es so ist.

Sport ermöglicht uns, uns auszupowern und Stress abzubauen. Das erhöht die Konzentrationsfähigkeit und führt dazu, dass wir Inhalte besser aufnehmen können und wieder frischer weiterarbeiten.

Prof. Dr. Dr. Stefan Schneider, Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln

Verantwortlich dafür sind mehrere Faktoren:

  • Während des Sports kommt es zu einer Verschiebung der Aktivitäten im Gehirn. Im Alltag ist normalerweise der Frontalcortex im Einsatz. In diesem Teil der Großhirnrinde liegen unter anderem Funktionen, mit denen wir Informationen aufnehmen und verarbeiten sowie Verhalten und Emotionen steuern. "Wenn wir Sport treiben, schaltet dieser Bereich im Gehirn ab, stattdessen sind Bereiche im Cortex aktiv, die für Motorik zuständig sind", erklärt Schneider. Anschließend seien im Frontalcortex wieder Ressourcen frei. Sport wirkt demnach auf das Gehirn wie ein Neustart bei einem Computer, dessen Arbeitsspeicher überlastet ist – danach geht alles wieder leichter und schneller.
  • Zudem hat Sport einen ganz einfachen Effekt: "Sport macht müde. Wer Sport macht, schläft besser. Und wer besser schläft, ist am nächsten Tag leistungsfähiger", erklärt der Kölner Wissenschaftler. Ein Zusammenhang, der auch Abiturient Philipp Meyer vertraut ist: "Wenn ich mich richtig verausgabe, schlafe ich schneller ein." Deshalb legt er seine sportlichen Aktivitäten am liebsten so, dass er danach direkt ins Bett gehen kann. Wer sich körperlich anstrengt, tut seinem Kopf etwas Gutes und reduziert das Risiko für Erkrankungen.

Bei Kindern lässt sich beispielsweise die Aufmerksamkeitsstörung ADHS mit Sport wirkungsvoll behandeln. Erwachsene können mit Bewegung depressiven Verstimmungen und Burn-out vorbeugen, in späteren Lebensjahren bremst Sport sogar Altersdemenz und schützt vor Gedächtnisverlust. Ohne Bewegung kann die Leistungsfähigkeit des Gehirns abbauen.

Um dies zu verhindern, ist Sport auch fest im Stundenplan von Astronauten integriert. Matthias Maurer, erst vor wenigen Wochen von der Raumstation ISS zurückgekehrt, trainierte im All regelmäßig im Fitnessanzug. Leben ist Bewegung. Und Bewegung geht einher mit neuen, für den Erhalt der Leistungsfähigkeit des Gehirns wichtigen Impulsen.

Stefan Schneider von der Sporthochschule Köln empfiehlt drei Sporteinheiten von je 60 Minuten pro Woche. Erlaubt sei, was Spaß macht, nur so bleibe man am Ball. Im besten Fall das ganze Leben lang. Die Freude solle im Zentrum stehen.

Geistig und körperlich fit bleiben

Freude an der Bewegung begleitet auch Ingrid Wiesmann aus Gerbrunn nahe Würzburg. Als Kind war sie Kunstturnerin. Seit einem Jahr ist die Lehrerin im Ruhestand. Endlich habe sie wieder Zeit, um ihren vielfältigen Interessen nachzugehen, sagt sie. Sie kommt gerade vom Kleinkindschwimmen mit ihrem zweijährigen Enkelkind. Was sie motiviert? "Ich will bis ins hohe Alter geistig und körperlich fit bleiben." Sie ist auf einem guten Weg und fühlt sich rund zehn Jahre jünger als ihre 66 Jahre. So viel Jugendlichkeit gibt es nicht geschenkt. Regelmäßig geht Ingrid Wiesmann zum Tanzen, übt Stepdance, Standard und Discofox. Um die Muskulatur zu erhalten, trainiert sie im Fitnessstudio. Außerdem unternimmt sie Radtouren. "30 bis 50 Kilometer schaffe ich leicht." Los geht’s direkt von zu Hause. "Vielleicht mache ich dieses Jahr noch einen Fahrradurlaub die Donau entlang."

Ausdauersport, Krafttraining und eine Aktivität, die Beweglichkeit und Flexibilität fördert – Sabine Kubesch wäre begeistert vom Lebensstil der pensionierten Lehrerin. "Gerade, wenn wir uns intensiv bewegen und richtig Gas geben, kommt es zu einem Anstieg von neurotrophen Wachstumsfaktoren im Gehirn", erklärt die Neurowissenschaftlerin. Gemeint sind BDNF und Dopamin, zwei Wachstumshormone, die Lerngeschwindigkeit und Gedächtnis verbessern. Sport unterstützt die Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus, der Schaltstelle zwischen dem Kurz- und dem Langzeitgedächtnis.

Wer regelmäßig körperlich aktiv ist, hat hier doppelt so viele neue Nervenzellen.

Sabine Kubesch, Neurowissenschaftlerin

Weil dieser Effekt lebenslang anhält, kann Bewegung die Bildung neuer Gehirnzellen auch im hohen Alter noch fördern. Der Neurotransmitter Serotonin wiederum wird ausgeschüttet, wenn der Körper, zum Beispiel beim Ausdauersport, Fett verbrennt. "Serotonin unterstützt Gedächtnisprozesse und die Stressverarbeitung", weiß die Wissenschaftlerin. "Wenn wir mehr davon im Gehirn haben, fühlen wir uns wohler, sind besser gestimmt und weniger aggressiv."

Bewegung von klein auf

Empfehlenswert ist es, wenn man sein Bewegungsprogramm in Gesellschaft verbringt, so wie Ingrid Wiesmann: "Beim Tanzen muss ich mich auf andere Menschen einstellen. So bleibe ich im Kopf flexibel und anpassungsfähig", sagt die ehemalige Lehrerin. Die Grundlagen für ein bewegtes Leben liegen im Kindesalter. Sabine Kubesch plädiert für eine tägliche Sportstunde in der Schule. Während der Pandemie hätten Kinder viel Zeit mit Medienkonsum verbracht. "Für die Konzentrationsfähigkeit ist das katastrophal. Auch die Daten zum Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen sind beunruhigend."

Stefan Schneider von der Sporthochschule Köln wird konkreter: "Kinder sollten rennen, hüpfen, einen Purzelbaum machen, balancieren und mit dem Ball umgehen können. Das sind Kernkompetenzen, die sie bis zum Alter von zwölf Jahren lernen sollten."

Bewegung fürs Gehirn

  • Ein fitter Geist liebt Bewegung. Wer sich viel und abwechslungsreich bewegt, beugt damit auch Gedächtnislücken vor. Besonders günstig sind etwa Tanzen oder Jonglieren.

Tipps fürs Gedächtnistraining

  • Mit 30 Klavierspielen lernen? Mit 70 mit einer neuen Sprache beginnen? Wer Neues lernt, schult sein Gedächtnis – egal, in welchem Alter. Bis ins hohe Alter verknüpft das Gehirn neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen.

  • Wer einfach mal zwischendurch ein bisschen Gehirnjogging machen möchte: Bilden Sie Wort¬ und Zahlenreihen und wiederholen Sie diese vorwärts und rückwärts.

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