Neues Leben - Erfahrungsbericht Organspende

Manja E. musste elfeinhalb Jahre auf ein Spenderorgan warten. Die Niere hat der 32-jährigen Berlinerin ein ganz neues Leben ermöglicht. Drei Jahre nach der Transplantation erwartet sie jetzt ein Kind. Lesen Sie Ihre Geschichte.

Meine Diagnose

Als ich drei Jahre alt war, ließ meine Mutter mich untersuchen, weil ich in dem Alter immer noch in die Hose machte. Die Ärzte stellten fest, dass meine Organe vergrößert waren. Die Spezialisten an der Berliner Charité stellten die finale Diagnose: eine genetisch bedingte "fokal-segmentale Glumerolosklerose". Das bedeutete, dass sich meine Nieren langsam zersetzen und irgendwann versagen würden. Genau das passierte kurz nach meinem 17. Geburtstag. Ich war auf einem Austauschjahr in Kanada. Mein Gastvater war Nierenarzt – ich war also gut vorbereitet, als mir die Ärzte einen Schlauch in mein Bauchfell implantierten, durch den dann jede Nacht eine Maschine die Gifte aus meinem Blut filtern konnte.

In der Nacht Dialyse am Tag Uni

Zurück in Deutschland, ist dann ein Unglück passiert, das mir im wahrsten Sinne des Wortes viele Narben zugefügt hat. Ich bekam eine Bauchfellentzündung. Bei dem Versuch, mir einen Halskatheter zu legen, wurden viele Gefäße verletzt, mein Leben hing an einem seidenen Faden. Die Bauchfelldialyse war dann nicht mehr möglich. Deshalb musste die Hämodialyse beginnen, die ich nicht mehr Zuhause machen konnte. Immerhin kann man in Berlin über Nacht dialysiert werden. Das habe ich auch gemacht. Dreimal die Woche wurde ich um 20 Uhr abgeholt, um 6 Uhr früh war ich fertig und konnte um 8 Uhr an der Uni sein. So konnte ich trotz allem 2012 mein Psychologiestudium abschließen.

Meine Geschichte

Mein Spenderorgan

Ein Spenderorgan hätte es mir ermöglicht, auf die tägliche Dialyse zu verzichten. Aber es sollte elfeinhalb Jahre dauern, bis eine Niere für mich gefunden war. Das aktive Warten auf den einen entscheidenden Anruf hatte ich zu diesem Zeitpunkt längst aufgegeben. Der kam schließlich unverhofft am 8. August 2015 morgens um 6 Uhr. Ich war glücklicherweise nicht weit weg von Berlin bei meinen Schwiegereltern. Also auf dem schnellsten Weg zur Charité. Ich wurde eingehend untersucht, abends um 8 Uhr war schon die OP. Das erste, was die Schwester im Aufwachraum zu mir sagte, war, dass die neue Niere Urin produziert. Die bestmögliche Nachricht.

Ein Stück zurückgeben

Nach allem, was ich weiß, stammt das Organ von einem jungen Mann. Ich habe oft über das Leid der Familie nachgedacht, aber keine Schuld empfunden, nur Dankbarkeit. Ich habe der Familie auch einen anonymen Brief geschrieben, weiß aber nicht, ob der jemals angekommen ist. Die Briefe gehen an die Deutsche Stiftung Organspende und werden dort verteilt. Weil ich etwas von meinem Glück zurückgeben will, engagiere ich mich seitdem beim Bundesverband der Organtransplantierten e. V.. Ich finde es traurig, dass sich die meisten Menschen mit dem Thema Organspende überhaupt nicht beschäftigen wollen. Wenn man zu dem Schluss kommt, dass man kein Organ spenden möchte, ist das völlig legitim. Nur sollte man wenigstens ernsthaft darüber nachgedacht haben.

Kinderwunsch erfüllt

Obwohl ich viele Medikamente nehmen und regelmäßig zur Blutkontrolle gehen muss, habe ich jetzt viel mehr Freiheiten: Reisen oder auch einfach Essen und Trinken, was ich mit der neuen Niere viel sorgloser genießen kann. Und ich bin schwanger! Als ich noch an der Dialyse hing, hätte ich diesen Schritt nie gewagt. Die Vergiftungsgefahr für das Baby wäre viel zu groß gewesen. Auch kurz nach der OP wäre eine Schwangerschaft noch keine so gute Idee gewesen. Mittlerweile sind aber drei Jahre ins Land gegangen. Jetzt freuen wir uns riesig auf unser Wunschkind.

Die Ungewissheit bleibt

Von einem Happy-End kann man aber nicht sprechen, schließlich werden mich die Krankheit und ihre Nebenwirkungen immer begleiten. Auch die gespendete Niere hält nicht für den Rest meines Lebens. Manchmal gibt es nach zehn Jahren schon Abstoßungsreaktionen, manchmal funktioniert ein Spenderorgan dreißig Jahre lang. Aber irgendwann muss ich vermutlich zurück an die Dialyse – diese Tatsache verdränge ich momentan noch.

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