"Passend für Netflix-Junkies und ZDF-Gucker" - Vor welchen Herausforderungen stehen Krankenkassen in der Zukunft? Fünf Fragen an unsere Vorständin Andrea Galle

Als die Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbau Union 1993 dafür stimmten, eine eigene Betriebskrankenkasse ins Leben zu rufen, war Andrea Galle bereits dabei: Seit 25 Jahren leitet sie die BKK VBU und berichtet im Interview von der Rolle der Digitalisierung für Krankenkassen und den Plänen für die Zukunft.

  • Wie blicken Sie auf die letzten 25 Jahre zurück? Welche Meilensteine würden Sie besonders hervorheben?
    Zunächst war es eine besondere Erfahrung, eine Krankenkasse zu gründen. Unser Antrieb war, eine Gesundheitsversorgung zu organisieren, die den besonderen Bedürfnissen der Beschäftigten der Verkehrsbau Union – also im Speziellen Menschen auf dem Bau – Rechnung trägt. Natürlich hat sich in den letzten Jahren unsere Kundenstruktur verändert. Wir kommen aus dem Betrieb und haben diese besondere Sicht auf Kundenbedürfnisse und Dienstleistungsbereitschaft einerseits und Effizienz unseres Handelns, Freude am Wettbewerb und Unternehmertum andererseits, beibehalten. Wir freuen uns, wenn es uns gelingt, eigene Impulse im Wettbewerb um beste Versorgung zu setzen. Das war bereits vor fünfzehn Jahren so, als wir in Berlin als Erste mit einem Klinikum einen besonderen Versorgungsvertrag für ambulante Operationen geschlossen haben. Im Jahr 2004 haben wir mit dem Rückenzentrum am Markgrafenpark ein neuartiges Behandlungskonzept bei chronischen Rückenschmerzen nach Berlin geholt, das bis heute Maßstäbe setzt. Wir geben auch scheinbar kleinen Themen Raum.

  • Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der BKK VBU?
    Eine große: In Zeiten von Internet-Shopping, und Online-Banking erwarten viele Kunden, dass auch ihre Krankenversicherung online stattfindet. Für uns bedeutet das, dass wir Beratung so anbieten, wie Menschen sie in Anspruch nehmen wollen. Wer also eine App will, kriegt eine App – und wer mit uns reden möchte, kriegt ein persönliches Gespräch. Wir wollen quasi die passende Kasse für den Netflix-Junkie sein, aber auch für den ZDF-Gucker.
BKK VBU Andrea Galle: Vorständin der Krankenkasse BKK VBU

In einer Welt, in der Unmengen an Wissen auf Knopfdruck zugänglich sind, wollen wir Navigator sein.

Andrea Galle, Vorständin

  • Eines Ihrer Angebote in diesem Zusammenhang ist der "digitale Doktor". Wie sichern Sie hier die Qualität?
    Nun, bei der Online-Psychotherapie sitzt zum Beispiel ein approbierter Psychotherapeut am anderen Ende. Unsere Hausmittel-App ist in Zusammenarbeit mit einem Apotheker entstanden. Tinnitus-Geplagte, die unsere App nutzen möchten, um das nervige Pfeifen leiser werden zu lassen, lotsen wir vorher zum HNO-Arzt. Der schaut dann individuell, ob die App gerade überhaupt das richtige Mittel ist. Wir wissen, dass sich viele unserer Kunden aktiv mit ihrer Gesundheit auseinandersetzen – auf diese Motivation wollen wir als verlässlicher Ratgeber antworten. Wichtig ist es, Kundenbedürfnisse zu kennen: Nicht nur in Berlin stehen beispielsweise Schwangere vor dem Problem, keine Hebamme zu finden. Daraus ist das Angebot der Online-Hebammen- und Stillberatung entstanden, das wir mit unserem Partner TeleClinic entwickelt haben. Einerseits die ganze – auch digitale – Vielfalt bieten, andererseits individuell beratend zur Seite stehen.
  • Dennoch bringt die Digitalisierung auch Herausforderungen mit sich, etwa beim Datenschutz...
    Gesundheitsdaten sind persönliche Daten und äußerst sensibel. Wir haben darin jahrzehntelange Erfahrung und keine kommerziellen Interessen an irgendwelchen Daten. Der treuhänderische Schutz der Versichertendaten ist Teil unseres Kerngeschäfts. Richtig ist aber auch: Die Nutzung von Daten bietet große Chancen für die Gesundheitsversorgung der Zukunft. Wir dürfen nicht Datenschutz und Gesundheit gegeneinander ausspielen. Wir müssen sie vereinbaren.
  • Welche Ziele haben Sie für die nächsten Jahre? Wie sieht die Krankenkasse der Zukunft aus?
    In einer Welt, in der Unmengen an Wissen auf Knopfdruck zugänglich sind, wollen wir Navigator sein. Es geht darum, die Gesundheitskompetenz unserer Kunden zu stärken und gleichzeitig eine aktive Lotsenfunktion anzubieten. Wir wollen individuell beraten, wo Kunden das von uns erwarten. In der klassischen Therapie, bei Gesundheits-Apps, der eigenen elektronischen Gesundheitsakte und bei der Vermeidung von Krankheiten. Dabei gilt es aber auch, den individuellen Kundenwunsch zu respektieren. Deshalb wollen wir unsere Kunden so gut informieren, dass sie auf Augenhöhe und selbstbestimmt wählen können, was gut für sie ist – aus einem Portfolio, das höchsten Ansprüchen an Sicherheit und Service genügt.
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