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Versorgung - geschlechtsspezifisch! - Warum wir einen geschlechtsspezifischen Blick brauchen

Noch immer gilt in der Medizin der männliche Körper als der Prototyp für den menschlichen Organismus. Das hat Nachteile für beide Geschlechter. In der medizinischen Versorgung kann es dadurch zu Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen kommen.

Der kleine Unterschied

Frauen sind in der Regel kleiner als Männer, haben kleinere Organe oder einen anderen Hormonhaushalt. Diese biologischen Unterschiede führen dazu, dass nicht nur Krankheiten anders verlaufen, sondern dass auch Medikamente bei Frauen und Männern unterschiedlich wirken. So konnten zum Beispiel Wissenschaftler nachweisen, dass Schmerzmittel bei Frauen oft schlechter und kürzer wirken als bei Männern.

Portrait von BKK VBU Bereichsleiterin, Martina Zimmermann

Es fehlen geschlechtsdifferenzierte Dosierungsangaben bei Medikamenten. Diese sollten auf den Packungsbeilagen vermerkt werden.

Martina Zimmermann, Bereichsleiterin Versorgung und Verträge bei der BKK VBU

Warum wirken Medikamente bei Männern anders als bei Frauen?

Eine Tablette macht sich auf den Weg

Eine Tablette soll manchmal an bestimmten Orten im Körper wirken. Allerdings brauchen Wirkstoffe in Tabletten bei Frauen und Männern unterschiedlich lange auf ihrem Weg durch den Körper.

Enzyme arbeiten anders

Enzyme sind wichtig für die Wirkung eines Medikaments. Sie sorgen dafür, dass der Wirkstoff von den menschlichen Zellen aufgenommen werden kann. Männer und Frauen können jedoch unterschiedlich viele Enzyme haben. In welcher Dosierung das Medikament im Körper wirkt, hat also auch mit dem Geschlecht zu tun. So kann es sein, dass die Enzyme bei einem Mann die Wirkstoffe eines Medikamentes schon nach einer Stunde umsetzen, während die Enzyme bei einer Frau vier Stunden beschäftigt sind.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Bei Frauen kommt es eineinhalbmal häufiger zu unerwünschten Nebenwirkungen als bei Männern. Bei Medikamenten wie der Antibabypille müssen Frauen eine ganze Reihe an Nebenwirkungen akzeptieren. Geforscht an Alternativen - auch für den Mann - wird sehr wenig.

Körperbau und Körperfett

Männer sind in der Regel größer als Frauen, Frauen haben dafür einen größeren Körperfettanteil. Dadurch verteilt sich der Wirkstoff eines Medikaments unterschiedlich im Gewebe.

Patientinnen und Patienten sollten sich daher am besten vor der Einnahme eines Medikaments informieren, wann die Wirkung üblicherweise einsetzt. Zeigt sich ein anderer Effekt, sollte unbedingt Rat in der Apotheke oder beim Arzt eingeholt werden.

Covid-19: Frauen und Männer erkranken anders

Viele Erkrankungen verlaufen bei Männern und Frauen häufig unterschiedlich. Am Beispiel von Covid-19 zeigt sich dies sehr deutlich: Männer erleiden eher schwere Verläufe und müssen intensiv behandelt werden. Das Risiko, an Corona zu versterben, ist bei ihnen um rund 30 bis 40 Prozent höher als bei Frauen. Die Ursache liegt in den unterschiedlichen Immunantworten der Geschlechter. Frauen besitzen ein stärkeres Immunsystem, vermutlich, weil sie im Fall einer Schwangerschaft auch das ungeborene Kind schützen müssen. Ihr starkes Immunsystem ist zugleich aber auch ihr Nachteil: Vor allem Frauen leiden unter Long Covid als Langzeitfolge einer Corona-Erkrankung. Es wird vermutet, dass ihre "überschießende Immunreaktion" der Grund ist, dass sich bei ihnen eine Autoimmunerkrankung entwickelt.

Viele Fragen zur Therapie bei Long Covid noch unbeantwortet

Projekt zu Chronischem Fatigue Syndrom (CFS)

Viele Fragen zur Therapie bei Long Covid sind bislang noch unbeantwortet. Die BKK VBU engagiert sich daher mit weiteren Partnern in einem Forschungsprojekt der Charité Berlin zur Verbesserung der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit dem Chronischen Fatigue Syndrom (CFS). Als Folge von Covid-19 ist das Erschöpfungssyndrom CFS Teil von Long Covid.

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