Das Immunsystem - ein komplexes Funktionssystem - Oder wie unser Immunsystem funktioniert

Egal ob wir mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, in Besprechungen sitzen oder auch gemütlich auf der Couch fernsehen. Unser Immunsystem arbeitet ständig – 24 Stunden am Tag. Es geht gegen Viren und Bakterien vor und schützt uns mit seinen ausgeklügelten komplexen Schutzmechanismen.

Unser Körper: Die Abwehrmechanismen

Grafik symbolisiert Immunabwehr: Mann steht mit Schutzschild gegen Viren und Bakterien

Unser Immunsystem ist nicht auf ein Organ oder Ort beschränkt. Vielmehr besteht es aus einem komplexen Zusammenspiel von verschiedenen Organen, Zellen, Botenstoffen und Enzymen. Unsere Abwehr unterscheidet sich in die unspezifische- (=angeborene) und spezifische- (=erworbene) Abwehr.

  • Die unspezifische Abwehr

Zunächst bildet unsere Anatomie ein natürliches Schutzschild vor Keimen, etwa durch die Wimpern, die Haut, die Schleimhäute oder auch die Magensäure, die schädliche Bakterien abtötet. Schaffen Eindringlinge es durch diese ersten Barrieren, schaltet sich die nächste Stufe ein – die unspezifische Abwehr. Dabei umschließen sogenannte Fresszellen wie Makrophagen alles, was als körperfremd und potenziell bedrohlich erscheint, und bauen es nach und nach ab.

  • Die spezifische Abwehr

Sobald die Eindringlinge es aber schaffen, die unspezifische Abwehr zu überlisten, geht die nächste Alarmstufe los: die spezifische Abwehr. Wie der Name verrät, richtet sich diese Immunreaktion nur gegen bestimmte Infektionserreger. Die weißen Blutkörperchen erkennen bestimmte Strukturen an der Oberfläche des Erregers und bilden Abwehrstoffe, die genau auf die Eindringlinge zugeschnittene Antikörper produzieren. Dabei entstehen sogenannte Gedächtniszellen, die beim nächsten Mal die Infektion erkennen und sie schnell und effizient bekämpfen können.

  • Analog funktionieren Impfungen

Nach diesem Prinzip funktionieren übrigens auch Impfungen: Der Impfstoff sieht dem Erreger äußerlich zum Verwechseln ähnlich – macht aber nicht krank. Der Körper bildet dennoch Abwehrstoffe und merkt sich den Erreger, sodass er bei einer tatsächlichen Infektion bestens vorbereitet ist. Das Zellen-Gedächtnis lässt jedoch mit der Zeit nach, deswegen muss meist nachgeimpft werden.

Das Bauchgefühl: Das Immunsystem und der Darm

Bauchgefühl - Frau hat ihre Hände auf dem Bauch zu liegen

Forscher wissen seit langer Zeit, dass der Darm eng mit unserem Immunsystem verknüpft ist. Das riesige Organ von ungefähr acht Meter Länge, wird oft auch das Zentrum des Immunsystems genannt, denn in ihm verweilen über 70 Prozent der Immunzellen. Auch unsere Darmbakterien helfen dem Immunsystem, indem sie ihm Signale über potenzielle Erreger senden und selbst mit Krankheitserregern um Nährstoffe konkurrieren sowie teilweise antibakterielle Stoffe produzieren. Inzwischen vermuten immer mehr Forscher, dass eine gestörte Darmfunktion bei Allergien, Hautkrankheiten und autoimmunen Erkrankungen eine Rolle spielt. Wenn der Darm krank ist, schwächelt auch das Immunsystem!

Wenn das Immunsystem überreagiert

Allergien

Manchmal geht der Alarm im Körper auch bei eigentlich harmlosen Nahrungsmitteln los. Jeder zwanzigste Deutsche hat eine Lebensmittelallergie, die im Grunde nichts anderes als eine Überreaktion des Immunsystems ist. Die Zahl der Allergien und Unverträglichkeiten steigt.

Warum steigen Allergien und Autoimmun-Erkrankungen?

  • Heutzutage kommen wir durch sauberes Trinkwasser, gestiegene Hygiene und Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung mit viel weniger Keimen in Berührung.

  • Familien werden immer kleiner, sodass Infektionen seltener von einem Kind aufs andere springen können.

  • Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen der schwindenden Vielfalt von Bakterien in unserem Darm und dem Anstieg von Allergien.

Bakterien? Warum ist hier eine Vielfalt wichtig?

Bakterien trainieren unser Immunsystem daraufhin, "Störfaktoren" von außen zu bekämpfen. Dabei müssen sie körpereigene Bakterien jedoch in Ruhe lassen. Das Immunsystem muss ständig zwischen Freund und Feind unterscheiden - keine leichte Aufgabe. Sollte das Zusammenspiel aus der Balance geraten, kann das Immunsystem auch auf Pollen, Nahrungsmittel oder eigene Körperzellen losgehen. Als Folge bekommen wir häufiger Allergien oder Asthma.

Autoimmunerkrankungen

Ähnlich wie bei Allergien richtet sich die Abwehr auch bei Autoimmunerkrankungen gegen den eigenen Körper. Die Zahl der Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ I, Zöliakie oder Morbus Crohn steigt ebenfalls stetig an. Zurzeit sind etwa vier Millionen Deutsche betroffen. Die Ursachen für eine solche Verwirrung des Immunsystems sind nicht ganz eindeutig.

Die Ursachen

  • Meist spielt die Genetik eine Rolle, aber auch Stress und Umwelteinflüsse tragen zu Autoimmunerkrankungen bei.

Heilbar sind sie nicht, doch bei vielen können wir zumindest die Symptome durch eine gesunde Lebensweise abschwächen. Wer sich ausgewogen ernährt und Nahrungsmittel meidet, die er nicht verträgt, genug schläft und auf Alkohol und Zigaretten verzichtet, fühlt sich in den meisten Fällen deutlich besser.

Das Immunsystem stärken

Auch bei den Glücklichen, die keine Allergien oder Immunkrankheiten haben, kann die Abwehr mal schwächeln. Manche erkälten sich oft oder fühlen sich müde und schlapp. Wie machen wir unser Immunsystem fitter? Bevor Sie zu teuren Präparaten greifen – es geht auch einfacher.

Was kann ich tun?

Ab ins Bett

Das Beste, was Sie für sich tun können: Gehen Sie ins Bett. Wir wissen, dass zu wenig Schlaf uns nicht gerade leistungsfähig macht, und dasselbe gilt für unser Immunsystem.

Wissenschaftler der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh haben 2009 den Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Erkältungen nachgewiesen. Ihre Studie zeigte: Wer weniger als sieben Stunden pro Nacht schläft, erkältet sich dreimal so oft wie jemand mit mehr als acht Stunden Schlaf.

Wichtig ist nicht nur die Schlafdauer, sondern auch die Qualität: Ein bequemes Bett und ein ausgeschaltetes Handy können Wunder wirken. Ein Mittagsschläfchen ist ebenfalls, wenn möglich, sehr zu empfehlen.

Nur das Beste auf den Tisch

Auch mit unserer Ernährung können wir oft mehr bewirken, als wir denken. Wer statt Fertiggerichte und zuckerhaltiger Lebensmittel und Getränke viel Gemüse, Obst und Ballaststoffe zu sich nimmt, merkt den Unterschied.

Die Kunst ist, nicht zu viel, und doch genug zu essen, um alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe zu sich zu nehmen.

Und nicht vergessen: Genug trinken!

Bewegen, bewegen, bewegen

Davon, dass Sport gesund macht, haben Sie sicher schon gehört. Wenn Sie sich immer noch nicht im Fitnessstudio angemeldet haben, müssen Sie aber kein schlechtes Gewissen haben: Moderate Bewegung an der frischen Luft tut es auch – zum Beispiel täglich eine Stunde lang spazieren gehen, den Hund ausführen, Fahrrad fahren oder im Garten arbeiten. Damit schenken Sie sich unter Umständen zwanzig Jahre mehr – und stärken Ihre Abwehr.

Checkliste: Das Immunsystem stärken

  • Blähungen, Aufstoßen, Bauchweh oder häufige Müdigkeit sind erste Anzeichen dafür, dass etwas mit Ihrem Darm nicht stimmt – und Sie womöglich Ihre Ernährung umstellen sollten

  • Ballaststoffe erhöhen die Vielfalt der Darmmikroben: Dazu zählen Vollkorngetreide, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte

  • Raus in die Sonne: Laut dem Robert-Koch-Institut sind rund 60 Prozent der Deutschen nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt – dabei ist es sehr wichtig für die Krankheitsprävention!

  • Auch ihr seelisches Wohlbefinden ist wichtig: Sich regelmäßig etwas Gutes zu tun, mit Freunden und Familie Zeit zu verbringen oder auch mal einen Wellnesstag einzulegen – all das wappnet Sie gegen einen stressigen Alltag

Jemand zeichnet eine Waage: links steht - Facts, rechts steht - Myths

Stimmt es? Oder nicht?

Wir haben bereits vieles über unser Abwehrsystem gelesen. Was stimmt davon wirklich?

nach oben