20.05.2020 Gesund und fit

Einsamkeit - Man ist nicht alleine auf der Welt

Einsamkeit kann sich manchmal wie eine Krankheit anfühlen. Ein gut funktionierendes Netzwerk kann gegen die "Beschwerden" sehr heilsam sein. Neben Familien und Freunden sind auch professionelle Hilfsangebote wichtig – gerade für Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Wir haben mit Sozialwissenschaftlerin Lea-Sophie Borgmann darüber gesprochen, warum es so wichtig ist, im Notfall Menschen an seiner Seite zu wissen.

 

  • Warum ist menschliche Gesellschaft nicht nur angenehm, sondern auch gesund?

Familie, Freunde, aber auch Beratungsstellen und professionelle Hilfsangebote spielen eine tragende Rolle in Sachen Gesundheit. Sie können Krankheiten zwar nicht unbedingt verhindern, beeinflussen aber den Verlauf einer Krankheit positiv und beschleunigen die Genesung. Das wissen wir aus vielen Studien. Es gibt für den Zusammenhang zwischen diesen sozialen Ressourcen und Gesundheit nicht nur eine Erklärung. Eine Theorie ist zum Beispiel, dass soziale Kontakte dazu führen, dass man sich gesünder verhält. Menschen, die sozial gut eingebunden sind, rauchen und trinken weniger, ernähren sich besser und bewegen sich mehr im Alltag.

 

  • Was ist wichtiger: das Wissen, dass im Notfall Menschen da wären oder die tatsächliche Hilfe?

Es reicht zu wissen, dass ich auf ein soziales Netzwerk zurückgreifen kann. Ich muss nicht dreimal am Tag mit meiner besten Freundin telefonieren oder zweimal die Woche mit der Mutter Kaffee trinken. Menschen sollten sich bewusst machen, dass man nicht alleine auf der Welt ist und dass Mitmenschen im Falle des Falles erreichbar sind.

 

  • Wie kann man sich seiner sozialen Ressource bewusst werden?

Die Fähigkeit überhaupt wahrzunehmen, dass man ein Netzwerk hat, wird schon sehr früh in der Kindheit geprägt. Wer als Kind ein solches Netzwerk erlebt, kann nicht nur darauf zurückgreifen, sondern später auch selbst Netzwerke knüpfen und erhalten. Deshalb ist es ganz wichtig, Familien mit kleinen Kindern in dieser Hinsicht präventiv zu unterstützen. Der Einzelne ist für sein soziales Netzwerk eben nicht allein verantwortlich. Es wird ja immer so getan, als ob es einem Menschen nur gut gehen kann, wenn er nicht einsam ist. Diese Bürde sollte man den Menschen nehmen.

 

  • Trotzdem: Was kann jeder tun, um die Situation für sich und andere zu verbessern?

Wie gesagt: Dass soziale Unterstützung vorhanden ist, liegt nicht vorrangig in der eigenen Hand. Aber man kann rausgehen in die Welt und sich engagieren. Studien zeigen, dass es gut funktioniert, wenn Menschen in Vereinen aktiv sind. Das sind nicht super enge Freunde, aber man wird wahrgenommen und hat regelmäßig Kontakt. Umgekehrt kann es auch sehr positiv für die Gesundheit sein, wenn Menschen Unterstützung leisten und ihre Hilfe aktiv anbieten. Das Wissen um die eigene Selbstwirksamkeit, also dass man Gutes bewirken kann, ist in jedem Fall gesund.

Zur Person

Sozialwissenschaftlerin Lea-Sophie Borgmann

Die Sozialwissenschaftlerin Lea- Sophie Borgmann arbeitet seit 2016 am Robert Koch-Institut in Berlin und erforscht dort unter anderem die Zusammenhänge zwischen sozialen Faktoren und Gesundheit.

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