Sieben Tage Saftfasten - Ein Erfahrungsbericht

"Wow, du bist ja verrückt. Das würde ich nie schaffen!" So oder so ähnlich lauteten die meisten Kommentare meiner Freunde und Familienangehörigen, denen ich im Vorfeld über mein Vorhaben erzählt habe. Mich eine Woche nur von Obst- und Gemüsesaft zu ernähren, war der Plan. Und so ein klein wenig verrückt, wie auch beängstigend fand ich meine Idee selbst auch. Aber was ich mir einmal in den Kopf gesetzt habe, das ziehe ich auch durch. Gerne möchte ich Ihnen einen ehrlichen Einblick über meine Erfahrungen, Gedanken und Ergebnisse geben. Vielleicht kann ich ja sogar den einen oder anderen inspirieren, sich mit dem Gedanken des Fastens intensiver auseinanderzusetzen oder sogar selbst loszulegen.

Warum tue ich mir das freiwillig an?

Grundsätzlich sollte sich jeder diese Frage ehrlich zu Beginn stellen, um herauszufinden, ob die Fastenkur überhaupt das richtige Mittel zum Zweck ist. Ich persönliche neige dazu, insbesondere in Stresssituationen (zu viel) zu essen, ohne ein dazugehöriges Hungergefühl zu verspüren. Es ist einfach manchmal Langeweile, Gewohnheit oder auch mal Trost. Meine Geschmacksknospen sind zudem durch den viel zu hohen Zuckerkonsum (Schokoholic lässt grüßen!) falsch programmiert, und ich erhoffte mir durch die Kur, die unterschiedlichen Geschmäcker wieder intensiver und ursprünglicher wahrzunehmen.

Außerdem wollte ich lernen, wieder mehr auf mein Bauchgefühl und meine Intuition zu hören, wenn es um die Mengen und Lebensmittelauswahl geht. Schließlich erhoffte ich mir auch einen Detox-Effekt, quasi ein Reset und eine Entgiftung des Körpers, da ich die einen oder anderen gesundheitlichen Einschränkungen habe. Da mir das reine Fasten nur mit Wasser und Tee etwas zu intensiv erschien, fiel die Wahl auf das Saftfasten. Hier speziell auf von mir selbst zubereitete Säfte, die mindestens zu 50 Prozent aus Obst und zu 50 Prozent aus Gemüse bestand. Zudem trank ich jeden Tag mindestens zwei bis drei Liter Wasser oder Kräutertee.

Aprikosen-Ingwer-Smoothie

Let's start oder wie ich mich vorbereitet habe

Wie sagt man so schön - gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Das trifft definitiv auch beim Saftfasten zu. Ich empfehle jedem, mit diesem Vorhaben nicht adhoc zu starten, sondern sich durch Bücher, Blogs oder Youtube-Videos intensiv damit zu beschäftigen und alle notwendigen Vorbereitungen zu treffen.

Willkommen Isolation

In meinem Fall bedeutete das, dass ich alle sozialen Kontakte in diesen sieben Tagen auf ein Minimum reduziert habe. Somit kommt man gar nicht erst in Versuchung, sich in einer Bar, einem Restaurant oder auf einem Geburtstag mit all den verführerischen Sünden konftrontieren zu lassen und - im schlimmsten Fall - schwach zu werden. Auch das Umfeld wurde von mir eingeweiht, so wundert sich niemand über gegebenenfalls zickige Antworten und schlechte Laune. Und ganz nebenbei: Wenn alle informiert sind, ist der Druck viel höher, das Vorhaben auch wirklich durchzuziehen. Schließlich gibt sich niemand gerne die Blöße und hat Lust auf dumme Kommentare.

Saftfasten während des Urlaubes

Da meine erste Fastenkur im vergangenen Jahr während der Arbeitszeit stattfand und ich das als äußerst anstrengend empfand, gönnte ich mir dieses Mal den Luxus und nahm extra Urlaub für die Zeit. Bitte tun Sie sich selbst auch diesem Gefallen. Schließlich geht es auch darum, sich nur mit sich selbst zu beschäftigen und nicht von äußeren Umständen, wie stressigen Alltagssituationen, umgeben zu sein. Hier spalten sich jedoch die Geister. Ich habe auch Kollegen, die sich durch die Arbeit ablenken lassen. Dort sei es einfacher, den Verlockungen Kühlschrank und Süßigkeitenfach zu entkommen.

Ein bunter Mix aus Obst und Gemüse

Utensilien kaufen und Einkaufsliste schreiben

Einen Entsafter besaß ich schon, somit beschränkte sich meine Vorbereitung auf das Ansehen einiger Youtube-Videos und dem Lesen eines Ratgebers für das Saftfasten (hier einfach mal ein paar Rezensionen googlen oder im Buchladen beraten lassen, um das richtige Buch für sich zu finden). Des Weiteren habe ich mir online und in Büchern viele Rezepte rausgesucht und dementsprechend meine Einkaufsliste geschrieben. Hier muss man eventuell noch einmal aufgrund der Saisonalität von Obst und Gemüse etwas kreativ sein und umplanen. Ich hatte Glück, dass im Sommer meine liebsten Sorten ohnehin (relativ kostengünstig) zur Verfügung standen.

Den Körper auf das Saftfasten vorbereiten

Bevor überhaupt mit der Fastenkur gestartet wird, soll der Körper bereits im Vorfeld langsam darauf eingestellt werden. Das bedeutet eine Reduktion von Koffein, Nikotin und zuckerhaltigen oder sehr fettreichen Lebensmitteln. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich es damit nicht so ernst genommen habe und am Abend vor dem Fastenbeginn sogar noch beim Griechen mit Freunden verabredet war (Schande über mein Haupt). Immerhin habe ich den Ouzo weggelassen und das Gyros gegen einen leichten Salat mit Lamm und Ziegenkäse eingetauscht - trotzdem, das war alles andere als Ideal und nicht nachahmenswert.

Mein Tagebuch

Erster Tag

Eine gute Fastenzeit sollte mit einer gründlichen Darmreinigung / Entleerung gestartet werden. Nicht das Thema, über das man gerne spricht, aber unbedingt zu empfehlen, da somit direkt von Anfang das Hungergefühl gedämpft wird. In meinem Fall geschah das mit Glaubeersalz und Apfelessig. Ich empfehle jedem, an diesem Tag zu Hause zu bleiben - könnte sonst schief gehen :-) Das muss man nicht unbedingt riskieren. Gut gelaunt, aber etwas schwach auf den Beinen bereitete ich mir alle Säfte zu, die mir zu dieser Zeit noch ausgezeichnet schmeckten. Spoiler: Das ändert sich noch. Ich nutze die Zeit zu Hause mit ein paar Zeitschriften und einem guten Buch. Dadurch war ich abgelenkt und habe nur selten an Essen gedacht. Auch die Kopfschmerzen, mit denen ich gerechnet hatte, trafen nicht ein, was mich aufgrund meines hohen Kaffeekonsums vor dem Fasten erstaunte.

Tag 2 und 3

Ich bin ehrlich, ich habe mich auf das Schlimmste eingestellt, da jeder sagt, dass die Anfangszeit die härteste ist. Aber ich hatte tatsächlich keine Krisen oder allzu starken Gelüste. Die wenigen konnte ich mit viel Wasser und Ingwertee in den Griff bekommen. Selbst meine Laune war nicht ausgesprochen schlechter, was eventuell mit einem Traumwetter und Baden im See zusammenhing. Sogar Sport war drin: Hier sei erwähnt, dass ich normalerweise gerne ins Fitnessstudio und laufen gehe (meist um die zehn Kilometer). Auch wenn ich mich gar nicht so schlapp wie gedacht gefühlt habe, so entschied ich mich, auf die Ratgeber zum Fasten zu hören und die körperliche Aktitvität auf leichte Sachen wie Radfahren, Spazieren gehen, Inliner fahren und schwimmen zu beschränken - was bei Temperaturen über 30 Grad keine schlechte Idee gewesen war.

Tag 4 bis 6

So langsam schmecken die Säfte nicht mehr ganz so gut wie zu Beginn, und ich lasse sogar von nun an jeden Tag einen Saft weg, da ich erstens zu faul bin und zweitens gar keine Lust darauf habe. Stattdessen trinke ich einfach nur kalten Tee oder Wasser. Ich mache den Fehler und begebe mich in die Sozialen Netzwerke. Dort werden mir unzählige Rezeptideen und Foodporn-Bilder angezeigt. Das war jetzt nicht meine beste Idee, und ich empfehle euch, bei eurer Fastenkur einfach direkt darauf zu verzichten und gleich einen digital detox einzulegen. Ich war zu dieser Zeit das erste Mal in meinem Leben in einem schwedischen Möbelhaus ohne den obligatorischen Hot Dog. Selbst der Anblick von meinem Freund, der sich die leckersten Gerichte einverleibte, ließ mich einigermaßen kalt - auch wenn ich schon gerne mal wieder etwas festes kauen wollte. Aber alles wirklich aushaltbar.

Tag 7

An meinem letzten Tag quälte ich mir morgens den letzten Saft rein (ausgerechnet Sellerie Birne - nicht mein heißer Favorit, aber was weg muss, muss weg) und beschloss, dieses Jahr keine Säfte mehr zu trinken. Das Maß war voll, viel länger hätte ich wirklich nicht mehr aushalten wollen. Gedanklich war ich schon mit meinem Fastenbrechen beschäftigt und wälzte Koch- und Backzeitschriften. Das ist übrigens genau das, was man nicht machen sollte :-) Gewonnen hatte ein herrlicher finnischer Blaubeerkuchen, den ich am nächsten Tag mit meinen Freunden verspeist habe. Außerdem füllte ich den Kühlschrank mit allerlei Köstlichkeiten (jedoch zu 80 Prozent gesund und sehr leicht bekömmlich). Ich klopfte mir selbst auf die Schulter und war verdammt stolz auf mich, dass ich das Vorhaben tatsächlich ohne großes Jammern durchgezogen hatte.

Fazit

Ich kann eine Fastenkur jedem uneingeschränkt empfehlen, der damit nicht nur schnell abnehmen möchte, sondern auch sich und seinem Geist etwas Gutes tun möchte. Eine gute Vorbereitung ist meiner Ansicht nach dafür das A und O. Ich würde jederzeit wieder Urlaub nehmen, um Raum für die intensiven Besinnung auf mich und meine Bedürfnisse zu haben. Zwar war das prioritäre Ziel nicht die Gewichtsabnahme, aber natürlich konnte ich mich auch über das eine oder andere abgenommene Kilogramm freuen, und der Bauch war auch viel flacher als sonst. Mein Gesicht wirkte reiner und frischer.

Auch gedanklich fühle ich mich „resettet“ und befreit. Es tut gut, sich sieben Tage lang keine Gedanken um Hunger und Essenszubereitung zu machen und die Gedanken stattdessen um andere, wichtigere Dinge kreisen zu lassen. So konnte ich viele neue Impulse für neue Projekte und die Zukunft setzen. Und vielleicht, mit etwas Abstand, werde ich mir auch ab und zu wieder einen kleinen saftigen Drink gönnen.

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