Aus dem Hebammenalltag - Die zehn häufig gestellten Fragen

Was darf ich in der Schwangerschaft machen und was nicht? Die anderen Umstände stellen vieles auf den Kopf - auch solche Aktivitäten, über die vorher niemand so richtig nachgedacht hat. Die häufigsten Fragen beantwortet nun Hebamme Astrid Sommer von unserem Partner viMUM.

Schwangere fragen - Astrid Sommer antwortet

1. Darf ich Sport in der Schwangerschaft machen?

Ja, unbedingt, denn die eigene Körperfitness begünstigt einen positiven Geburtsverlauf. Sport ist wichtig fü̈r den eigenen Kreislauf und hält fit für die bevorstehende Geburtsarbeit. Regelmäßige Bewegung kräftigt die eigene Muskulatur, das Baby wird mit ausreichend viel Sauerstoff versorgt.

Folgendes ist beim Sport zu beachten:

  • Es gilt die Regel: Gewohntes beibehalten - alles, was gut tut und sich bereits bewährt hat.
  • Die körperliche Belastbarkeit verändert sich mit Fortschritt der Schwangerschaft.
  • Bei allen sportlichen Aktivitäten ist darauf zu achten, wo die immer wieder neu empfundenen körperlichen Grenzen liegen und frau sich nicht völlig verausgabt.
  • Extremsport wie Paragliding, Skiabfahrtslauf, Tauchen mit Sauerstoffflasche usw. sollten nicht ausgeübt werden.
  • Stoßende, ruckartige Bewegungen sind zu vermeiden und fließende, gleichmäßige Bewegungen zu bevorzugen.
  • Durch die Schwangerschaftshormone ist der gesamte Bewegungsapparat insgesamt viel weicher. Bänder und Sehnen sind ggf. bei Überlastung bzw. Überbeanspruchung anfälliger für Verletzungen.
  • Ein Paar, das gewohnt ist, gemeinsam Leistungssport zu machen, darf sich etwas entschleunigen.
  • Sanfter Sport zum Beispiel Yoga, Spazierengehen, Wandern oder Schwimmen stärkt die Muskulatur und Fitness.

2. Darf ich Geschlechtsverkehr haben?

Sexualität in der Schwangerschaft hängt immer vom eigenen Befinden ab. Grundsätzlich ist Sexualität in der Schwangerschaft erlaubt. Es ist sehr schön, sich als Paar in der Schwangerschaft auf Neues einzulassen.

Wichtige Punkte beim Geschlechtsverkehr in der Schwangerschaft sind:

  • Das Lustempfinden kann sich bei der Frau und auch beim Mann ändern. Es gilt, dem nachzugeben, worauf frau wirklich Lust hat. Es dürfen eventuell neue Positonen oder Stellungen ausprobiert werden.
  • Während des Orgasmus wird bei Mann und Frau Oxytocin ausgeschüttet. Oxytocin ist ein Liebeshormon. Das Becken wird stärker durchblutet. Oxytocin macht glücklich.
  • Die Schwangerschaftshormone können körperliche Empfindsamkeiten hervorrufen, zum Beispiel an der Brust.
  • Die Sexualität soll auch in dieser Zeit schmerzfrei sein.
  • Wie Sie sich bei bestehenden Frühgeburtstendenzen, einem verkürzten Muttermund oder vaginalen Infektionen verhalten sollten, können Sie am besten mit Ihrer Gynäkologin oder Hebamme besprechen.
  • Sexualität auch in dieser Lebensphase ist ein gemeinsamer Prozess. Miteinander reden und füreinander Verständnis schaffen ist wichtig. Unlust bei Mann oder Frau darf sein, ein offenes Gespräch kann dabei Brücken schaffen.

3. Darf ich noch eine Flugreise unternehmen?

Mit dem Flugzeug in der Schwangerschaft zu verreisen, ist grundsätzlich kein Problem.

 

Folgendes sollten Sie beim Reisen beachten:

  • Bis zur 34. Schwangerschaftswoche erlauben die Fluggesellschaften die Reise.
  • Unter Umständen verlangen manche Fluggesellschaften darüber hinaus ein ärztliches Attest über die Gesundheit von Mutter und Kind.
  • Bei längeren Flugreisen über zwei Stunden ist es sinnvoll, sich Kompressionsstrümpfe vom Facharzt verschreiben zu lassen. Diese dienen der Thromboseprophylaxe durch das längere Sitzen.
  • Beim Buchen der Reise ist auf einen Sitz mit genügend Beinfreiheit achten
  • Von Flugreisen in Infektionsgebiete mit eventuell notwendigen Schutzimpfungen ist eher abzuraten.
  • Es empfiehlt sich, die medizinische Versorgungssituation im Reiseland vorher zu überprüfen.
  • Beim Buchen der Reise unbedingt eine Reiserücktrittsversicherung mit abschließen. Das eigene Erleben kann sich im Laufe der Schwangerschaft dahingehend verändern, dass Sie kurz vor Reiseantritt doch nicht mehr allzu weit von zu Hause entfernt sein möchten.
  • Während des Flugs ausreichend trinken und in Absprache mit der Hebamme eine kleine Reiseapotheke mitführen.
  • Flugreisen über viele Stunden, Interkontinentalreisen usw. sind individuell abzuwägen.
  • Schwangere, die bereits Flugangst haben, sollten nicht in der Schwangerschaft testen, ob sie fliegen können.
  • Auch hier gilt: Behaltne Sie Gewohntes bei und versuchen Sie Stress zu reduzieren. Wenn Ihnen Reisen gut tut, dann sollten Sie nicht darauf verzichten.

4. Mein Baby liegt noch in Steißlage, soll ich es äußerlich wenden lassen?

Wenn Sie mit dem ersten Kind schwanger und in der 36. Schwangerschaftswoche angekommen sind und sich ihr Baby noch immer in Steißlage befindet, dann empfiehlt sich eine in der Klinik durchgeführte sogenannte äußere Wendung des Babys durchzuführen.

Folgende Empfehlungen können hier gegeben werden:

  • Die äußere Wendung ist in jedem Fall einem geplanten Kaiserschnitt vorzuziehen.
  • Kinder, die sich sehr viel bewegen und immer wieder unterschiedliche Positionen ab der 30. Schwangerschaftswoche einnehmen, drehen sich mit größerer Wahrscheinlichkeit eher in eine Kopflage als diejenigen, die bereits sehr früh mit dem Po voran eine sitzende Position beibehalten.
  • Wenn Sie bereits mehrgebärend sind und der zeitliche Abstand zu den älteren Kinder nicht zu groß ist, dann kann es sein, dass sich Ihr bewegungsfreudiges Baby erst später in Schädellage dreht.
  • Eine äußere Wendung wird unter Ultraschallkontrolle in der Klinik durchgeführt. Die Erfolgsrate liegt bei etwa 50 Prozent.
  • Parallel dazu kann es hilfreich sein, sich osteopathisch behandeln lassen.
  • Die Hebamme kann Sie mit Akupunktur unterstützen.
  • Bei einer Zwillingsschwangerschaft ist es nicht möglich, die Kinder äußerlich zu wenden.

5. Ist eine Hausgeburt möglich?

Eine Hausgeburt ist eine sichere und individuelle Form der selbstbestimmten Geburt im ganz persönlichen und vertrauten Umfeld. Die Hausgeburtshebamme unterstützt Sie dabei vor, während und nach der Geburt. Das gegenseitige Kennenlernen im Laufe der Schwangerschaft schafft dabei eine wichtige Vertrauensbasis, die sich sehr positiv auf die Geburtssituation auswirkt. Der Partner kann ebenso 1:1 in die Vorbereitungen der Geburt involviert werden, wenn das Paar dies möchte.

Folgendes ist bei vorliegenden Wunsch nach Hausgeburt zu beachten:

  • Wenn Sie eine Hausgeburt wünschen, dann suchen Sie schon früh in der Schwangerschaft Kontakt zu einer Hausgeburtshebamme, die Sie durch die Schwangerschaft mitbegleitet.
  • Sie besprechen mit der Hausgeburtshebamme eventuelle bestehende gesundheitliche Risiken und ob in Ihrer persönlichen Situation eine Hausgeburt möglich ist.
  • Die Hausgeburtshebamme steht am Ende der Schwangerschaft ab der 38. SSW bis zwei Wochen nach dem errechneten Termin rund um die Uhr für Sie in Rufbereitschaft
  • Viele Krankenkassen erstatten diese Rufbereitschaftspauschale.
  • Eine Wassergeburt und auch eine Hockergeburt sind zuhause möglich.
  • Die Hausgeburtshebamme ist mit allen notwendigen medizinischen Mitteln ausgerüstet.
  • Abzuraten ist eine Hausgeburt bei Frühgeburtlichkeit vor der 37. Schwangerschaftswoche, Zwillingsschwangerschaften, Steißlagen, Epilepsie sowie Krankheiten der Mutter, die auch unter der Geburt behandlungsbedürftig sind.

6. Ich möchte auf zu viele Ultraschalluntersuchungen verzichten, darf ich das?

Es sind drei größere Ultraschalluntersuchungen nach den Richtlinien der Schwangerschaftsvorsorge im Mutterpass vorgesehen. Darüber hinaus kann sich ergeben, ob weitere spezifische Untersuchungen aus ärztlicher Sicht oder auch aus Hebammensicht angeraten werden.

Wichtig dabei ist:

  • Keine Untersuchung darf ohne Ihre vorherige Zustimmung erfolgen. Es ist immer Ihre persönliche freie Entscheidung, welche Art der Untersuchung Sie in Absprache mit der Hebamme und/oder der Gynäkologin für sich selbst als notwendig ansehen.
  • Untersuchungen, mit denen Sie sich nicht wohl fühlen, dürfen Sie ablehnen.
  • Es gilt immer abzuwägen, was Sie vom Untersuchungsergebnis erwarten, ob es dem Wohlbefinden in der Schwangerschaft dient und wie Sie mit dem Ergebnis umgehen.

7. Darf ich noch rohen Fisch, rohes Fleisch essen?

Von rohem Fischkonsum wie zum Beispiel Sushi, Hering und Lachs in der Schwangerschaft wird abgeraten. Und das aus guten Grund. In rohem Fleisch und auch in rohem Fisch können sich Bakterien wie Listerien befinden, die in der Schwangerschaft zu einer Infektion führen können, der so genannte Listeriose. Wer an Listeriose erkrankt, hat Durchfall, muss sich zum Teil erbrechen und leidet an grippeähnlichen Symptomen, Muskelschmerzen und Abgeschlagenheit. Das ist für die Schwangere unangenehm, das Ungeborene kann durch eine Infektion mit Listerioseerregern schwer geschädigt werden.

Deshalb sollten Sie bei der Ernährung klare Regeln einhalten:

  • Lebensmittel aus Rohfleisch (z. B. Rohsalami, Mettwurst, Landjäger, Hackfleisch usw.), roher Fisch, vorgeschnittene Blattsalate und Obst in Plastik verpackt, Rohmilchkäse sollen in der Schwangerschaft nicht roh bzw. gar nicht konsumiert werden.
  • Obst und Gemüse immer frisch kaufen, nicht verpackt.
  • Fleisch und Fisch immer in der Pfanne bei 70 Grad Celsius erhitzen, erst dann essen.
  • In der Schwangerschaft sind besonders die im Fisch enthaltenden Omega-3-Fettsäuren sehr wichtig für die gesunde Entwicklung des Babys. Daher sind durcherhitzte Fischprodukte empfehlenswert.
  • Bei Verdacht auf eine Infektion lassen Sie sich beim Facharzt Blut abnehmen, um weiter Klarheit zu haben und eine evtl. Therapie mit einem hochdosierten Antibiotikum anzuschließen

Mehr Infos zu Ernährung in der Schwangerschaft finden Sie in unserem Ratgeber

8. Ich habe Alkohol getrunken, bevor ich wusste, dass ich schwanger bin. Habe ich mein Kind gefährdet?

Alkohol in der Schwangerschaft kann das Kind schädigen und deshalb sollten Sie von Beginn an darauf verzichtet werden. Manchmal ist die Schwangerschaft aber erst klar, nachdem Alkohol konsumiert wurde.

  • Bei Alkohol in der Schwangerschaft gilt in den allerersten Tagen das Alles-oder-Nichts-Prinzip. Eine unter Umständen schwer geschädigte Eizelle kann sich nicht einnisten. Wenn die befruchtete Eizelle gesund ist, dann nistet sie sich trotz Alkoholkonsum ein. Dieses Einnisten findet etwa 10 bis 14 Tage nach der Befruchtung statt.
  • Nach der Befruchtung sollte komplett auf Alkohol verzichtet werden, denn über den mütterlichen Kreislauf wird der Embryo jetzt mit Blut und Nährstoffen versorgt. Giftstoffe wie Alkohol oder auch Nikotin kommen beim Kind an. Deshalb ist es von Vorteil, so früh wie möglich von der Schwangerschaft zu wissen.
  • Falls Sie sich große Sorgen wegen Alkoholkonsum in der Frühschwangerschaft machen, dann sprechen Sie darüber mit Ihrer Hebamme und/oder Ihrer Gynäkologin.

9. Wann spüre ich die ersten Kindsbewegungen?

Es ist ein wunderschönes Gefühl, das eigene Baby das erste Mal richtig in seiner Bewegung wahrzunehmen. Die ersten Kindsbewegungen sind bei Frauen, die bereits ein oder mehrere Kinder geboren haben, früher spürbar, zum Teil bereits in der 14. SSW, bei Erstgebärenden meist ab der 18. SSW.

Die ersten Kindsbewegungen lassen sich leicht mit Darmbewegungen verwechseln. Sie kommen einem schmetterlingsähnlichen leichten Flügelschlag gleich, der von Woche zu Woche stärker wird und immer besser als Kindsbewegung erkennbar sind.

Was es sonst noch Wissenswertes zu Kindesbewegungen gibt:

  • Je größer das Baby wird, dessto deutlicher spüren Sie die Bewegungen.
  • Die Entspannung der Gebärmuttermuskulatur in den vor allem abendlichen Ruhephasen nutzt das Baby gerne für mehr Bewegung. Es ist normal, dass das Ungeborene nun Ihre Entspannungszeit für mehr Aktivität nutzt.
  • Gegen Ende der Schwangerschaft wird das Raumangebot der Gebärmutter für das nun schon größer gewordene Baby etwas weniger. Deshalb nehmen die Kindsbewegungen von der Intensität ab.
  • Da das Baby immer wieder Schlafphasen hat, gibt es auch Zeiten, in denen Sie keine Kindsbewegungen spüren. Das ist normal.
  • Wenn Sie beunruhigt sind, weil sich Ihr Kind schon länger nicht mehr bewegt hat, gehen Sie innerlich in Kommunikation mit Ihrem Baby.
  • Falls Sie sehr beunruhigt sind, dann wenden Sie sich an Ihre Hebamme bzw. Ihre Gynäkologin.

10. Ich bin Vegetarierin, auf was muss ich achten?

Eine gesunde Ernährung in der Schwangerschaft ist besonders wichtig, da die Mutter und das ungeborene Kind mit allen wichtigen Nährstoffen und Vitaminen für eine gesunde Schwangerschaft und Wachstum versorgt sein müssen.

Als Vegetarierin beachten Sie bitte folgende Punkte:

  • Eine gesunde und breite Ernährungspalette ist wichtig.
  • Achten Sie insbesondere auf genügend Eisen- und Eiweißzufuhr über das Essen.
  • Sie können Ihren Eisenspiegel bereits in der Frühschwangerschaft durch eine Ferritinkontrolle im kleinen Blutbild bestimmen lassen.
  • Eiweißhaltige Nahrungsmittel sind zum Beispiel Hühnerei, Sojaprodukte, Nüsse und Kerne, Getreide, Hülsenfrüchte, Milchprodukte oder Kartoffeln.
  • Eine fleischlose Kost ist meist schon Jahre vor der Schwangerschaft bewusst eingeübt und auch in der Schwangerschaft gesund.
Hebamme und viMUM Expertin Astrid Sommer

Über die Autorin

viMUM Expertin Astrid Sommer ist seit 2002 freiberufliche Hebamme in freier Praxis, Mutter von drei Kindern, examinierte Kranken- und Gesundheitspflegerin, Externatstelle der kath. Stifungsfachhochschule München und der LMU München für die Hebammenstudentinnen, Weiterbildungen in Akupunktur, Homöopathie, mindful birthing, peri-, und postnatale Depression, frühe Bindung, Geburtstraumata, Babymassage, Yogalehrerin 200 Stunden und 80 Stunden All India institute of medical sciences, Rishikesh, India

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