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10.06.2021 Gesund und fit

Umgang mit Alkohol - Wann wird es gefährlich?

Ein Glas Rotwein am Abend, ein oder zwei Feierabend-Bier und am Wochenende Cocktail-Abend in der Bar – der Grat zwischen Genuss und Sucht ist oft schmal.

Alkohol ist in unserer Kultur fest verankert und allgegenwärtig. Viele Menschen befürchten insgeheim, zu viel zu trinken. Ist man schon Alkoholiker, wenn man täglich ein Feierabend-Bier trinkt?

Malte Stöß, Sozialarbeiter und Suchtberater in der Alkohol- und Medikamentenberatungsstelle Tempelhof-Schöneberg beim Notdienst Berlin e.V. sagt: "Alkoholabhängigkeit wird nicht über die Menge definiert, sondern über die physischen, psychischen, sozialen und beruflichen Folgen. Daher kann es sein, dass auch jemand alkoholabhängig ist, der nur ein Bier am Abend trinkt."

Als Diagnostik werden folgende sechs Kriterien aus dem ICD10 (Diagnoseschlüssel) herangezogen. Drei oder mehr Kriterien müssen mindestens einen Monat lang zutreffen, um die Diagnose der Abhängigkeit stellen zu können:

Kriterien zur Bestimmung der Abhängigkeit

  • starkes oder zwanghaftes Verlangen, Alkohol zu konsumieren

  • verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich der Menge, des Beginns oder Ende des Konsums (d.h. es wird regelmäßig mehr Alkohol oder über einen längeren Zeitraum konsumiert als geplant)

  • körperliche Entzugserscheinungen bei plötzlichem Absetzen

  • Nachweis einer Toleranzentwicklung (zunehmend müssen deutlich mehr Mengen an Alkohol konsumiert werden)

  • andere Interessen und Tätigkeiten werden zugunsten des Alkohols vernachlässigt

  • anhaltender Alkoholkonsum trotz gesundheitlicher und sozialer Folgeschäden, zum Bespiel Leberzirrhose, Arbeitsplatzverlust etc.

Was sind die ersten Warnzeichen dafür, dass man zu viel Alkohol zu sich nimmt?

Erste Hinweise auf einen zu hohen Alkoholkonsum können sein:

  • Angehörige äußern ihre Sorgen und Bedenken
  • Schuld- und Schamgefühle wegen des Alkoholkonsums
  • zunehmende Schwierigkeiten den (beruflichen) Erwartungen, die das Umfeld oder die Arbeit an einen stellen, zu erfüllen
  • regelmäßig deutlich mehr trinken als man sich vorgenommen hat
  • eine Steigerung der zugenommenen Alkoholmenge sowie mehr Tage an denen konsumiert wird

Wie wichtig ist der "soziale Faktor"? Ist es immer problematisch, wenn man alleine Alkohol trinkt?

Wer selten alleine zum Genuss wenig Alkohol zu sich nimmt, hat relativ sicher kein Alkoholproblem. Wenn dies jedoch sehr regelmäßig passiert und größere Mengen getrunken werden, könnte dies ein Hinweis auf eine Problematik sein.

Was können die Spätfolgen einer Alkoholsucht sein?

Zunächst gibt es dabei mögliche körperliche Folgen. Dazu zählen:

  • Veränderungen der Leber (Fettleber, Leberentzündung, Leberzirrhose)
  • Schädigungen der Bauchspeicheldrüse
  • eine Erweiterung des Herzmuskels
  • Muskelatrophie
  • erhöhtes Krebsrisiko (besonders Mund-, Rachen-, Speiseröhrenkrebs und bei Frauen Brustkrebs)

Ein abruptes Absetzen kann außerdem zu Entzugserscheinungen führen (Krampfanfälle, Delirium tremens, starkes Schwitzen, erhöhter Puls sowie Unruhe und Angstzustände).

Hinzu kommen mögliche psychische Folgen wie Stimmungsschwankungen, Angstzuständige oder Depression sowie soziale Folgen. Diese können Veränderungen des gesamten sozialen Umfeldes betreffen, außerdem zunehmende soziale Konflikte, den Verlust des Arbeitsplatzes oder das Zerbrechen von Ehen oder Beziehungen.

Wohin kann ich mich wenden, wenn ich professionelle Unterstützung benötige?

Erster Ansprechpartner sollten in der Regel die bezirklichen/kommunalen Suchtberatungsstellen sein, die es in Deutschland in jedem Bezirk/Landkreis gibt. Finanziert werden diese durch die Bezirke/Landkreise, daher stehen sie allen Menschen kostenlos und unbürokratisch zur Verfügung.

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