Schwangerschaftsdiabetes - Süße Gefahr durch Zucker

Schwangere haben ein besonderes Gespür für ihren Körper: Sie lauschen immer wieder in ihn hinein und bemerken oft die kleinsten Veränderungen – normalerweise. Denn eine ernst zu nehmende Erkrankung, die während der Schwangerschaft entstehen kann, verläuft fast immer ohne Symptome: der Schwangerschaftsdiabetes.

"Etwa vier Prozent aller werdenden Mütter in Deutschland sind davon betroffen", sagt Professor Karsten Müssig vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf. "Die Zuckerkrankheit kann zu jedem Zeitpunkt auftreten, jedoch steigt das Risiko im Verlauf der Schwangerschaft an."

Der Schwangerschaftsdiabetes heißt so, weil er erstmals in der Schwangerschaft festgestellt wird. Schuld daran sind Hormone, die der Körper vor allem in der zweiten Schwangerschaftshälfte produziert. Sie bewirken, dass die Zellen für Insulin nicht mehr empfindlich genug sind und den Zucker aus dem Blut nicht mehr ausreichend aufnehmen können.

Die Folge: Der Blutzucker steigt immer weiter an, anstatt zu sinken – auch in nüchternem Zustand. Von ihrem entgleisten Stoffwechsel merken Schwangere in den meisten Fällen nichts. Die typischen Diabetessymptome wie starker Durst oder häufiger Harndrang treten in der Regel nicht auf. "Ein besonders großes Kind oder viel Fruchtwasser können aber auf einen Schwangerschaftsdiabetes hindeuten", berichtet Professor Müssig.

Erhöhtes Risiko haben Frauen

  • mit Übergewicht

  • mit Verwandten mit Diabetes.

  • die älter als 30 Jahre alt sind

  • deren Kinder bei einer früheren Geburt mit mehr als 4.000 Gramm zur Welt kamen

Folgeerkrankungen verhindern

Wird die Zuckerkrankheit diagnostiziert, muss sie unbedingt behandelt werden, da sie für Mutter und Kind gesundheitliche Risiken mit sich bringt. So kann die Schwangere einen hohen Blutdruck entwickeln, der wiederum ein typisches Symptom der gefährlichen Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) ist. Außerdem können Betroffene während der Schwangerschaft leichter an Harnwegsinfekten erkranken.

Dann muss die kleine Bauchspeicheldrüse mehr Insulin produzieren, um den Zucker in den Griff zu bekommen. Durch die erhöhten Insulin- und Zuckerspiegel werden diese Kinder in der Regel größer und schwerer und wiegen bei Geburt meist mehr als 4.000 Gramm. Das kann bei einer natürlichen Geburt zu Komplikationen führen und laut Professor Müssig auch vorzeitige Wehen auslösen.

Es besteht außerdem die Gefahr, dass sich das Kind im Mutterleib nicht richtig entwickelt. Davon können vor allem die Lungen betroffen sein. „Nach der Entbindung kann es daher zu einem sogenannten Atemnotsyndrom beim Kind und auch zu einer Unterzuckerung kommen“, berichtet Müssig. Weitaus drastischer sind die Langzeitfolgen, weil Mutter und Kind ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes entwickeln können. Jede zweite Frau ist davon betroffen

Glukosetoleranz

Test bringt Gewissheit

Um Schwangerschaftsdiabetes festzustellen, wird zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein Screening durchgeführt. Dabei trinkt die Frau eine Flüssigkeit mit 50 Gramm Zucker. Nach einer Stunde wird Blut abgenommen und der Zucker bestimmt. Liegt der Wert über 140 mg/dl, erfolgt ein sogenannter Glukosetoleranztest, dessen Kosten die BKK VBU übernimmt.

Dabei wird vor dem Trinken der Lösung Blut abgenommen, eine Stunde und zwei Stunden danach noch einmal. Wenn mindestens einer der drei festgelegten Grenzwerte erreicht oder überschritten wird, liegt ein Schwangerschaftsdiabetes vor.

Frau steht im Supermarkt vor der Gemüsetheke und wählt aus

Lebensstil ändern

Wenn bei einer Schwangeren Diabetes entdeckt wurde, stehen für sie Änderungen des Lebensstils an – eine Insulintherapie ist aber nicht immer nötig, wie Professor Müssig weiß: "In vielen Fällen reichen eine ausgewogene Ernährung mit weniger Fett und Kohlenhydraten und regelmäßige Bewegung schon aus, um den Blutzucker zu senken. Nur bei etwa jeder fünften Frau wird mit Insulin behandelt."

Andere Diabetesmedikamente sind für Schwangere nicht zugelassen. Betroffene müssen zudem regelmäßig vor und eine Stunde nach einer Mahlzeit ihren Blutzucker messen. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil sich die Werte im Verlauf der Schwangerschaft verschlechtern können. Auch ärztliche Kontrollen in regelmäßigen Abständen sind unerlässlich, um den Zuckerstoffwechsel im Auge zu behalten.

So können Sie vorbeugen

Vorbeugen können Frauen, indem sie schon vor der Schwangerschaft auf ein normales Gewicht achten. Wer sich dann auch während der 40 Wochen ausgewogen ernährt und regelmäßig bewegt, braucht sich um einen Diabetes sehr wahrscheinlich keine Gedanken zu machen.ahr

nach oben