Diabetes
Für Thomas Müller ist es die erste Diabetes-Schulung. Vor wenigen Wochen hat ihn sein Arzt mit der Diagnose Typ-2-Diabetes konfrontiert. Der Schock saß zunächst tief. Und noch immer hat der 55-Jährige viele Fragen im Kopf, die er hier der Diabetes-Beraterin stellen möchte.
- Was bedeutet Diabetes für meine Gesundheit?
- Was darf ich noch essen? Muss ich Insulin spritzen?
- Und wenn ja, wie funktioniert das?
Fragen über Fragen, mit denen sich Patienten nach der Diagnose in einer Diabetes-Schulung beschäftigen. Was hier besprochen wird und wie lange diese dauert, hängt von der Therapie ab – also ob der Patient Tabletten einnimmt, Insulin spritzt oder versucht, die Krankheit zunächst über einen gesünderen Lebensstil in den Griff zu bekommen.
"Allen Schulungen ist aber gemein, Betroffenen die Angst vor der Krankheit zu nehmen und sie über die physiologischen Grundlagen im Körper zu informieren", sagt Professor Karsten Müssig, stellvertretender Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf.
Warum sein Körper den Blutzucker nicht abbaut, hat Thomas Müller nun verstanden. Doch er möchte mehr wissen. "Das muss für den Patienten nachvollziehbar sein", sagt Professor Müssig. "Dann fällt es ihm auch leichter, bei der Therapie mitzuhelfen – zum Beispiel mit einer Änderung des Lebensstils, wobei eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung eine große Rolle spielt."
Aufgeklärt werden die Teilnehmer sowohl über die Behandlung des Diabetes als auch über mögliche Begleiterkrankungen. Eine Schulung kann stationär oder ambulant bei einem Diabetologen oder einem qualifizierten Arzt stattfinden. Die Patienten lernen, den Blutzucker genau zu messen, Insulin zu spritzen und sich darauf vorzubereiten.
Schon gewusst?
Im Laufe der Schulung fühlt sich Thomas Müller immer besser beraten. Seine Unsicherheit fällt von ihm ab und er ist motiviert, sein Leben zu ändern und die Krankheit zunächst mit Tabletten zu behandeln. "Von nun an werde ich täglich mindestens eine halbe Stunde Sport einplanen und auf meine Ernährung achten."
Professor Stephan Martin, Chefarzt für Diabetologie im Verbund der Katholischen Kliniken Düsseldorf und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums, beruhigt seine Patienten, wenn sie zum ersten Mal vor ihm sitzen: „Ich rate ihnen, die Diagnose als große Chance zu sehen, ihr Leben zu verändern.“ Denn keine Krankheit könne mit der Änderung des Lebensstils so positiv beeinflusst werden wie der Typ-2-Diabetes. Im Idealfall normalisiert sich der Blutzucker sogar wieder.
Tipps mit dem Umgang mit der Krankheit
Wie das möglich ist, steht heute auf dem Programm der Schulung. Diabetesberaterin Inge erklärt, warum bei Diabetikern der Blutzucker so hoch ist: "Während beim gesunden Menschen der Zucker mithilfe des Insulins aus dem Blut rasch in die Zellen befördert und dort verbrannt wird, funktioniert dieser Mechanismus bei Patienten mit Diabetes nicht mehr." Die Folge: "Der Zucker bleibt im Blut und schädigt langfristig Gefäße und lebenswichtige Organe." "Und was hilft dagegen?", will Thomas Müller wissen. "Vor allem Bewegung, um die Aufnahme des Zuckers in die Zellen zu ermöglichen", antwortet Inge. "Denn Zucker liefert ja die Energie, die wir für jede Bewegung brauchen."
Professor Martin gibt daher den Tipp, sich einen Schrittzähler zu besorgen. "Jeder sollte versuchen, so viel wie möglich zu Fuß zu erledigen. Wer mehr als 5.000 Schritte am Tag schafft, tut seinem Körper etwas Gutes", sagt er. Wie sehr sich Bewegung und Gewichtsreduktion lohnen, erläutert Professor Müssig: "Schon fünf Kilogramm weniger auf der Waage bewirken eine Verbesserung der Insulinwirkung um 20 Prozent."
Rat und Tat
Tipp für die Injektion
"Trotzdem müssen Sie sehr auf Ihre Füße achten, denn die sind besonders anfällig für Verletzungen", sagt Diabetes-Beraterin Inge. Deshalb muss sich auch Thomas Müller regelmäßig selbst untersuchen. Hat sich die Haut verändert? Gibt es Druckstellen, Wunden oder Nagelpilz? Ist das der Fall, muss sich zunächst der Diabetologe die Füße ansehen.
"Achten Sie darauf, die Nägel gerade abzuschneiden, damit sie nicht einwachsen können", rät Inge. Eine rückfettende Creme macht die Haut zudem geschmeidig. „Und wie sieht es mit einem Fußpilz aus? Kann man dem überhaupt vorbeugen?“, fragt ein Teilnehmer. „Und ob“, sagt die Expertin. "Hierfür werden die Stellen zwischen den Zehen nach dem Waschen mit einem Handtuch und zusätzlich einem Kosmetiktuch abgetrocknet." Thomas Müller nimmt sich vor, die Tipps von Inge genau zu beachten. Und gute Vorsätze hat er auch: Von nun an will er regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit fahren – denn Bewegung ist schließlich die beste Medizin für ihn.
Unterstützung durch die mkk
Wenn du mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2 lebst, kann dich ein DMP-Programm zusätzlich unterstützen. Mit BKK MedPlus begleitet dich die mkk durch regelmäßige Kontrollen, dokumentierte Werte und passende Schulungen.
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