Ratgeber: Krankschreibung - Was Sie wissen müssen, wenn Sie krank sind

Fast jeder kennt diese Situation: ans Arbeiten ist nicht zu denken, Sie fühlen sich krank. Meist führt der Weg dann zum Arzt, der Sie untersucht und Ihnen die Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Was passiert nun mit dem Krankenschein und wie verhalten Sie sich richtig? Wir beantworten Ihre Fragen rund um die Krankschreibung, das Krankengeld und den Wiedereinstieg nach längerer Krankheit. Werden Sie schnell wieder gesund!

Sie sind krank und können nicht zur Arbeit – was ist zu tun?

  • Sie melden sich krank bei Ihrem Arbeitgeber. Geben Sie Ihrem Arbeitgeber umgehend Bescheid, dass und wie lange Sie voraussichtlich krank sind. Der Gesetzgeber spricht von "unverzüglich". Rufen Sie sofort, am besten vor Beginn Ihrer Arbeitszeit, an oder melden Sie sich per E-Mail.

  • Sie gehen zum Arzt und erhalten von ihm einen Krankenschein. Mit dem Krankenschein bestätigt der Arzt Ihnen, dass Sie momentan arbeitsunfähig sind und wie lange es voraussichtlich dauern wird, bis Sie Ihre Arbeit wieder aufnehmen können.

  • Sie senden die Bescheinigung innerhalb von drei Tagen an Ihren Arbeitgeber oder die Arbeitsagentur/ das Jobcenter.

  • Sie reichen die Krankschreibung bei der BKK VBU ein. Wir benötigen Ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) im Original innerhalb einer Woche nach der Ausstellung durch Ihren Arzt. Somit geht Ihr Krankengeldanspruch nicht verloren.

  • Falls Sie noch länger krank sind, benötigen Sie eine Folgebescheinigung. Wenn Sie zum Ablauf Ihres Krankenscheins noch nicht wieder gesund sind, müssen Sie sich rechtzeitig um eine Verlängerung kümmern und Ihren Arbeitgeber informieren.

7 wichtige Fakten zur AU

Woraus besteht der Krankenschein?

Er besteht aus insgesamt 4 Teilen:

  • Seite 1 ist für die Krankenkasse
  • Seite 2 ist für den Arbeitgeber (diese ist auch dadurch gekennzeichnet, dass aus Datenschutzgründen die Diagnose fehlt)
  • Seite 3 ist für Ihre Unterlagen
  • Seite 4 verbleibt beim Arzt in Ihrer Krankenakte

An welche Adresse schicke ich die Bescheinigung für die BKK VBU?

Ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung können Sie uns gern per Post an folgende Adresse schicken:

BKK VBU
10857 Berlin

oder geben Sie diese in einem ServiceCenter in Ihrer Nähe ab.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen der AU und meinem Anspruch auf Krankengeld?

Die ärztliche Bescheinigung ist Voraussetzung dafür, dass Sie die Entgeltfortzahlung von Ihrem Arbeitgeber oder das Krankengeld von der BKK VBU erhalten. Sie dient uns als lückenloser Nachweis der Zeiträume für die Krankengeldzahlung.

Bitte beachten Sie: Ihr Anspruch auf Krankengeld ruht, falls Sie die AU nicht innerhalb von 7 Tagen bei uns einreichen. Für diesen Zeitraum können wir Ihnen dann kein Krankengeld auszahlen.

Muss ich das Krankengeld extra beantragen?

Das Krankengeld müssen Sie nicht gesondert beantragen. Sobald Sie Ihren Krankenschein bei uns einreichen prüfen wir automatisch, ob Sie Anspruch auf Krankengeld haben.

Was mache ich, wenn ich im Urlaub krank werde?

Der Urlaub wird durch Ihre Arbeitsunfähigkeit unterbrochen. In diesem Fall informieren Sie ebenfalls Ihren Arbeitgeber über Ihre Krankheit und verhalten sich genauso wie oben beschrieben.

Wie viele Tage kann der Krankenschein rückwirkend ausgestellt werden?

Eine Rückdatierung ist bis zu drei Tagen möglich. Die maximale Dauer einer einzelnen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beträgt einen Monat.

Wann muss ich ein Duplikat ausstellen lassen?

Ein Duplikat ist in der Regel nur beim Verlust des Krankenscheins notwendig. Sie können auch den Durchschlag für Ihre Unterlagen (Seite 3 der AU) als Duplikat verwenden.

Der Krankenschein kurz erklärt

Muster eines Krankenscheins

Das steht auf dem "Gelben Zettel":

  1. "Erstbescheinigung" wird bei jeder neuen Erkrankung angekreuzt. (Dies gilt auch dann, wenn eine neue Arbeitsunfähigkeit am Tag nach dem Ende der vorherigen Arbeitsunfähigkeit beginnt.) "Folgebescheinigung" trifft bei längerer Krankheit zu und wird auch dann angekreuzt, wenn es sich um eine Mit- bzw. Weiterbehandlung handelt.
  2. Wird angekreuzt, wenn ein Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit vorliegt.
  3. Hier trägt der Arzt den ersten Tag Ihrer Arbeitsunfähigkeit ein. Bei einer Erstbescheinigung muss sowohl die Zeile "arbeitsunfähig seit" als auch die Zeile "festgestellt am" (siehe auch Punkt 5) ausgefüllt werden.
  4. Das Datum zeigt Ihre voraussichtliche Arbeitsunfähigkeit für den vorliegenden ärztlichen Befund an – in der Regel maximal zwei Wochen. Das bescheinigte Datum ist für die Entgeltfortzahlung des Arbeitgebers bzw. die Leistungsfortzahlung der Agentur für Arbeit und die Krankengeldzahlung wichtig.
  5. Die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit darf weder vor- noch rückdatiert werden. Das Feststelldatum ist wichtig für einen lückenlosen Nachweis der Arbeitsunfähigkeit und für Ihren Krankengeldanspruch.
  6. Die Diagnose des Arztes wird als Kürzel eingetragen. Hierzu dient das Format ICD-10, ein spezieller Diagnoseschlüssel.
  7. Wird angekreuzt, wenn es sich um einen Unfall oder dessen Folgen (jedoch kein Arbeitsunfall) handelt.
  8. Versorgungsleiden sind Krankheiten oder gesundheitliche Beeinträchtigungen, die vom Versorgungamt anerkannt sind. Darunter fallen beispielsweise Ansprüche aus: Bundesversorgungsgesetz (Kriegsschäden), Opferentschädigungsgesetz (z. B. für Opfer von Gewalttaten), Infektionsschutzgesetz (z. B. Impfschäden oder Gesundheitsschäden durch Prophylaxe), Soldatenversorgungsgesetz.
  9. Wird ausgefüllt, falls Ihr Arzt eine medizinische Rehabilitation oder stufenweise Wiedereingliederung bzw. sonstige Maßnahmen für erforderlich hält. Gleichzeitig wird ein entsprechender Antrag ausgestellt, um die Maßnahmen einzuleiten.
  10. Das Feld wird angehakt, wenn Ihre Arbeitsunfähigkeit durchgängig mehr als 6 Wochen beträgt. Der Arzt weist die BKK VBU somit auf einen möglichen Krankengeldfall hin. Liegt dieser vor und Ihr Arzt kann bereits einschätzen, dass die Arbeitsunfähigkeit zum angegebenen Datum enden wird, hakt er auch "Endbescheinigung" an.

Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Bremen

Mehr als 6 Wochen krank – was nun?

Wenn Sie aufgrund Ihrer Krankheit länger als 6 Wochen arbeitsunfähig sind, zahlt nicht mehr Ihr Arbeitgeber. Ab Ende des 42. Tages der Krankmeldung erhalten Sie Krankengeld von der BKK VBU.

Wichtig zu wissen: Bei einer Verlängerung Ihrer Krankheit sollte Ihr Arzt dies spätestens am Tag nach Ihrer vorherigen Arbeitsunfähigkeit bestätigen. Ist dieser Tag ein Feiertag oder am Wochenende, gehen Sie möglichst schon am Vortag zu Ihrem Arzt – spätestens jedoch am nächsten Werktag. Der bescheinigte Zeitraum muss nahtlos sein. Falls Sie keinen rechtzeitigen Termin erhalten, wenden Sie sich bitte an einen anderen Arzt. Denn: Wir können das Krankengeld immer nur bis zum Tag der ärztlichen Feststellung auszahlen.

Mit den Krankheitstagen steigt die Zahlung von Krankengeld

Diagramm zum Verlauf der Ausgaben für Krankengeld in Deutschland 2011 bis 2015

Fragen und Antworten rund um das Krankengeld

Welchen Anspruch auf Krankengeld haben Bezieher von Arbeitslosengeld I und II?

Alle Arbeitnehmer, die aufgrund einer Krankheit länger als 6 Wochen arbeitsunfähig sind, haben Anspruch auf Krankengeld. Das gilt auch, wenn Sie Arbeitslosengeld I beziehen. Die Höhe des Krankengelds richtet sich dann nach den Leistungen der Agentur für Arbeit (ggf. abzüglich Pflegezuschlag).

Falls Sie ausschließlich Arbeitslosengeld II beziehen und arbeitsunfähig sind, erhalten Sie kein Krankengeld, sondern weiterhin das ALG II.

Bekomme ich in einem Minijob Krankengeld?

Nein, Minijobber haben keinen Anspruch auf Krankengeld. Wenn das Arbeitsverhältnis mindestens vier Wochen besteht, erhalten Sie jedoch Entgeltfortzahlung durch Ihren Arbeitsgeber für die ersten 6 Wochen Ihrer Arbeitsunfähigkeit.

Sind Familienversicherte beim Krankengeld eingeschlossen?

Nein, als Familienversicherter erhalten Sie kein Krankengeld, da Sie bei Arbeitsunfähigkeit keinen Verdienstausfall haben.

Bekomme ich Krankengeld, wenn ich eine Rente beziehe?

Dies ist abhängig von der Art der Rente: Bei Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung kann ein Anspruch auf Krankengeld weiter bestehen. Sie erhalten kein Krankengeld bei Altersrente oder voller Erwerbsminderungsrente.

Erhalte ich auch als Selbstständiger Krankengeld?

Selbstständige haben keinen Anspruch auf Krankengeld. Falls Sie als Selbstständiger freiwillig bei uns krankenversichert sind, können Sie zusätzlich unseren Wahltarif BKK VBU PRO Krankentagegeld abschließen.

Wie lange wird das Krankengeld gezahlt?

Für die gleiche Krankheit erhalten Sie höchstens für 78 Wochen Krankengeld. Nach einem Zeitraum von 3 Jahren ab dem erstmaligen Auftreten der Krankheit können Sie für dieselbe Krankheit erneut Krankengeld bekommen.

Wie wird das Krankengeld ausgezahlt?

Das Krankengeld wird immer rückwirkend gezahlt. Die Auszahlung erfolgt bis zu dem Tag, an dem der Arzt Ihre Arbeitsunfähigkeit festgestellt hat.

In welchen Fällen ruht mein Anspruch auf Krankengeld und ich erhalte keine Zahlung?

Der Anspruch auf Krankengeld ruht zum einen sobald Sie Anspruch auf andere Leistungen haben. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn Sie Arbeitsentgelt, Arbeitslosengeld, Übergangsgeld und Renten wegen Alters oder Erwerbsminderung beziehen.

Zum anderen ruht Ihr Anspruch auf Krankengeld, wenn Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht rechtzeitig innerhalb einer Woche eingereicht haben oder die Arbeitsunfähigkeit nicht nahtlos durchgehend bescheinigt ist.

Was ist die AU-Begutachtung durch den Medizinischen Dienst?

Die Krankenkassen und Arbeitgeber haben die Möglichkeit, Ihre Arbeitsunfähigkeit durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) kurzfristig überprüfen zu lassen. Auf diese Weise sollen mögliche Maßnahmen (wie z. B. Prävention oder Rehabilitation) frühzeitig ergriffen werden.

Weitere Informationen zum Medizinischen Dienst der Krankenversicherung finden Sie unter www.mdk.de.

Habe ich Anspruch auf Krankengeld, wenn mein Kind krank ist? Wohin sende ich in diesem Fall den Krankenschein?

Das Krankengeld zahlt die Krankenkasse des Elternteils, der das Kind während der Erkrankung betreut hat. Dorthin senden Sie bitte auch den Krankenschein Ihres Arztes.

Bitte beachten Sie: Der Anspruch auf Krankengeld bei Erkrankung des Kindes ist für jedes Kalenderjahr und für jedes Kind auf 10 Arbeitstage, bei alleinerziehenden Versicherten auf 20 Arbeitstage beschränkt.

Bei Krankheit abgesichert:

Mit dem Wahltarif BKK VBU PRO Krankentagegeld

Zurück ins Berufsleben nach längerer Krankheit

Schritte der Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell

Das "Hamburger Modell" bezeichnet die stufenweise Rückkehr ins Arbeitsleben und wird häufig nach einer länger andauernden Arbeitsunfähigkeit vom behandelnden Arzt empfohlen. Die Dauer dieser Maßnahme liegt in der Regel zwischen wenigen Wochen und mehreren Monaten. Sie soll den Betroffenen den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtern. Das “Hamburger Modell” ist nur für Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung vorgesehen.

Wie läuft die Rückkehr ins Arbeitsleben ab?

  • Ihr Arbeitgeber und die BKK VBU müssen vor Beginn der Maßnahme zustimmen.
  • Sie legen mit Ihrem Arzt zusammen einen Eingliederungsplan fest, der Ihren individuellen Genesungsfortschritt berücksichtigt.

Das wird im Eingliederungsplan beschrieben:

  • Wie viele Stunden am Tag können Sie arbeiten? (Dabei werden auch Fahrzeiten von und zur Arbeit berücksichtigt)
  • Welche Bedingungen liegen vor? (Zum Beispiel: nicht schwer heben, nicht lange stehen, Pausenzeiten)
  • Eine Prognose, wann die Wiedereingliederung abgeschlossen sein wird, d. h. Ihre Arbeitsfähigkeit wieder vollständig hergestellt ist.

Was ist dabei zu beachten?

Während der Wiedereingliederung erhalten Sie weiterhin Krankengeld. Falls Sie Arbeitsentgelt erhalten, wird das Krankengeld entsprechend gekürzt. Bis zum Abschluss der Maßnahme sind Sie weiterhin arbeitsunfähig und können in dieser Zeit keinen Urlaub in Anspruch nehmen.

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