Impfung gegen HPV - Keine reine Frauensache

Seit über zehn Jahren gibt es die Impfung gegen HPV, die Frauen vor Gebärmutterhalskrebs schützt. Doch auch Männer können sich mit dem Virus infizieren. Das erhöht nicht nur die Ansteckungsgefahr für ihre Partnerinnen oder Partner, sondern auch ihr eigenes Krebsrisiko. Bei Männern können die Viren Anal- und Peniskrebs sowie Krebs im Mund- und Rachenraum auslösen. Jetzt wird die Impfung auch für Jungen empfohlen.

So häufig wie ein Husten

Darüber spricht niemand gern: Warzen im Genitalbereich. Sie werden von HPV (=Humanen Papillomviren) verursacht und zählen zu den Geschlechtskrankheiten. Bei sexuellen Kontakten zwischen Mann und Frau oder zwischen Männern kann der Erreger weitergegeben werden. Eine Infektion mit dem HP-Virus ist bei sexuell aktiven Menschen so häufig wie eine ganz normale Erkältung.

Rund 80 Prozent aller Frauen und über die Hälfte bis zwei Drittel aller Männer im Erwachsenenalter haben sich irgendwann in ihrem Leben einmal mit dem genitalen HPV infiziert. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass bei ihnen auch Symptome auftreten. Denn meist wird der Körper mit der Infektion fertig, ohne dass die Betroffenen davon etwas merken.

Fakten zu HPV

HP-Viren infizieren Haut, Schleimhäute und Geschlechtsorgane

Unter den HP-Viren gibt es mehr als 200 Unterarten – die meisten von ihnen verursachen harmlose Warzen (Papillome), wie sie gelegentlich an Händen oder Füßen auftreten. Rund 40 HPV-Typen infizieren speziell die Schleimhäute der Geschlechtsorgane. Einige verursachen Genitalwarzen, andere jedoch gelten als sogenannte Hochrisiko-Typen. Sie schleusen ihre Erbsubstanz in Körperzellen ein, vermehren sich unkontrolliert und führen im Lauf von Jahren zu gefährlichen Zellveränderungen – Vorstufen von Krebs.

Krebsrisiko nachgewiesen

Der Zusammenhang zwischen bestimmten HP-Viren und dem Entstehen von Gebärmutterhalskrebs bei Frauen ist eindeutig nachgewiesen. Laut Statistik erkrankt eine von 100 Frauen, die sich mit einem Hochrisiko-HPV angesteckt hat.

Männer haben ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken

Inzwischen vermuten Experten, dass auch HPV-infizierte Männer ein erhöhtes Risiko haben, an Krebs im Genital- und Analbereich sowie im Mund- und Rachenraum zu erkranken. Bei einer US-amerikanischen Studie an 1200 Männern im Alter zwischen 18 und 70 Jahren fanden sich HPV-Viren in neun von zehn Gewebeproben von Analkarzinomen und in der Hälfte der Gewebeproben von Peniskarzinomen.

Ansteckungsgefahr

Jährlich stecken sich drei von zehn Männern neu mit HPV an. Anders als bei Frauen, die häufiger in jungen Jahren erkranken, kommen HPV-Infektionen bei Männern in allen Altersgruppen etwa gleich häufig vor. Drei von vier Männern überwinden die Infektion innerhalb eines Jahres – schneller als die meisten Frauen.

Durch sexuelle Kontakte übertragen

Die genitalen HP-Viren werden bei sexuellen Kontakten übertragen, auch beim Oral- oder Analverkehr. Eine Ansteckung durch infizierte Gegenstände wie beispielsweise Sex-Spielzeug oder Handtücher ist nicht auszuschließen.

Safer Sex ist der wichtigste Schutz

Ungeschützter Geschlechtsverkehr ist die Hauptursache für die Ansteckung mit HP-Viren. Darum ist Safer Sex die erste und wichtigste Vorbeugungsmaßnahme. Kondome schützen zwar nicht hundertprozentig vor einer Infektion, verringern das Risiko aber erheblich.

Vorsorge hilft

Außerdem sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen für Frauen wie Männer gleichermaßen wichtig. Ein stabiles Immunsystem hilft dem Körper außerdem, Infektionen abzuwehren – es wird durch eine gesunde Ernährung und viel Bewegung gestärkt. Auf das Rauchen sollte man unbedingt verzichten, weil es die Abwehr anhaltend schwächt.

Umfrage: HPV - die unbekannte Impfung

Nur ein Drittel der deutschen Bevölkerung hat überhaupt schon einmal von der Impfung gegen Humane Papillom Viren (HPV) gehört. Unabhängig von der neuen Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut, auch Jungen impfen zu lassen, hat diese Impfung offenbar ein allgemeines Bekanntheitsproblem. Das ergab eine Umfrage, die wir bei Kantar TNS in Auftrag gegeben haben.

Kantar TNS befragte im Juni mehr als 1.000 Frauen und Männer über 14 Jahre in Deutschland. Lesen Sie die Zusammenfassung der Umfrage-Ergebnisse. Weitere Informationen finden Sie in unserer Pressemitteilung.

Haben Sie schon von der HPV-Impfung gehört?

Grafik über die Kenntnis der HPV-Impfung

Würden Sie die Impfung bei Ihren Kindern vornehmen lassen?

Grafik über die Impfbereitschaft für HPV

Erste Impfung gegen Krebs

Seit etlichen Jahren gibt es für Frauen die Schutzimpfung gegen HPV – als erste Impfung gegen Krebs überhaupt. Der bisher meist verwendete Impfstoff wirkt gegen zwei der häufigsten HPV-Typen, HPV 16 und HPV 18, die für 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind. Mittlerweile steht auch ein Vierfach-Impfstoff für Männer und Frauen zur Verfügung, der außerdem bei Männern das Auftreten von Genitalwarzen vermindert. In wieweit er sie auch vor Krebs schützt, muss noch wissenschaftlich nachgewiesen werden.

Impfempfehlung für Jungen

Für Harald zur Hausen, der mit seinen Forschungen den Zusammenhang von Viren und Gebärmutterhalskrebs belegt und damit die Grundlage für die Entwicklung der HPV-Impfstoffe geschaffen hat, ist die Impfempfehlung für Jungen längst überfällig gewesen. In einem Interview mit dem Krebsinformationsdienst sagte er: "Das offensichtlichste Argument ist, dass in nahezu allen Kulturen die jungen Männer mehr Sexualpartner haben als Frauen der gleichen Altersgruppe. Damit sind Männer die wichtigsten Verbreiter der Infektion. Ich habe immer plakativ gesagt: Würden wir nur die Jungs impfen, würden wir wahrscheinlich mehr Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhüten als mit der ausschließlichen Impfung der Mädchen!"

Jens Herme, Impfexperte bei der BKK VBU

Grundsätzlich ratsam ist die Impfung im Alter zwischen 9 bis 14 Jahren, damit Jugendliche möglichst schon vor ihrem ersten Sexualkontakt geschützt sind. Doch auch später ist eine Impfung noch sinnvoll, um erneute Ansteckungen zu verhindern.

Jens Hermes, Impf-Experte der BKK VBU

Die STIKO hat die Impfempfehlung jetzt auch für Jungen ausgesprochen. Mit der Ausweitung der Impfempfehlung will man dazu beitragen, die Infektionskette zwischen Sexualpartnern zu unterbrechen – ganz gleich welchen Geschlechts. "Werden Jungen geimpft", so Harald zur Hausen, "so profitieren außerdem auch homosexuelle Männer, die ein besonders hohes Risiko für HPV-bedingte Krebsarten haben."

"Das ist ein tabubesetztes Thema", räumt Jens Hermes, Impf-Experte der BKK VBU, ein. "Doch nur, wenn wir die Augen nicht vor der Realität schließen, nehmen wir die Gesundheitsvorsorge aller Patienten ernst."

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