Was bringt die Impfung gegen Lungenentzündung?
Eine Lungenentzündung ist mehr als nur Husten mit Fieber. Schätzungen zufolge sterben rund 20.000 Menschen in Deutschland jährlich daran. Die gute Nachricht: Gegen einen der wichtigsten bakteriellen Auslöser – Pneumokokken – gibt es eine Impfung.
Inhaltsverzeichnis
- So verbreitet sind Lungenentzündungen in Deutschland
- Warum „Impfung gegen Lungenentzündung“ meistens Pneumokokken meint
- Was können Pneumokokken auslösen?
- Für wen ist die Pneumokokken‑Impfung sinnvoll?
- Welche Pneumokokken-Impfstoffe gibt es – und was bedeutet PCV20?
- Impfablauf und Abstände: Wie oft, wann, Kombination mit anderen Impfungen
- Nebenwirkungen: Was ist normal, wann solltest du reagieren?
- Kosten und Erstattung: So läuft’s bei der mkk
- Häufige Fragen zur Impfung gegen Lungenentzündung (Pneumokokken)
So verbreitet sind Lungenentzündungen in Deutschland
Nach Angaben des Robert Koch Instituts zählen Pneumokokken-Erkrankungen zu den häufigsten bakteriellen Ursachen für schwere Lungenentzündungen – mit teils lebensbedrohlichen Verläufen. Sie sind oft der Grund, warum Menschen plötzlich im Krankenhaus landen.
In Deutschland erkranken laut dem Lungeninformationsdienst 400.000 bis 600.000 Menschen pro Jahr an einer ambulant erworbenen Lungenentzündung. Dazu kommen etwa 200.000 im Krankenhaus erworbene Fälle dazu.
Warum „Impfung gegen Lungenentzündung“ meistens Pneumokokken meint
Wenn du nach „Impfung gegen Lungenentzündung“ suchst, ist damit fast immer die Pneumokokken‑Impfung gemeint. Grund: Eine Lungenentzündung kann sowohl durch Viren als auch Bakterien entstehen. Ein sehr häufiger bakterieller Auslöser sind dabei die Pneumokokken.
Besonders problematisch: Pneumokokken-Erkrankungen können sich rasch verschlimmern und auch junge Menschen unerwartet schwer treffen.
Was können Pneumokokken auslösen?
Pneumokokken sind Bakterien, die von Mensch zu Mensch übertragen werden – typischerweise über Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen). Viele Menschen tragen sie im Nasen‑Rachen‑Raum, ohne krank zu sein, können sie aber weitergeben.
Was sind typische Pneumokokken-Erkrankungen?
Zu den häufigsten Erkrankungen durch Pneumokokken gehören:
- Lungenentzündung (Pneumonie)
- Blutvergiftung (Sepsis)
- Hirnhautentzündung (Meningitis)
- außerdem zum Beispiel Mittelohrentzündung oder Nasennebenhöhlenentzündung (häufiger, aber meist weniger dramatisch)
Für wen ist die Pneumokokken Impfung sinnvoll?
Die wichtigste Orientierung in Deutschland ist die STIKO (Ständige Impfkommission). Sie empfiehlt die Impfung für die folgenden Personengruppen:
Standard: Pneumokokken-Impfung für Personen ab 60 Jahren
Die STIKO empfiehlt allen ab 60 eine einmalige Pneumokokken‑Impfung mit einem Konjugatimpfstoff, der gegen 20 der häufigsten Pneumokokken-Typen schützt (PCV20).
Indikationsimpfung: ab 18 Jahren bei erhöhtem Risiko
Auch wenn du jung bist, kann die Impfung sinnvoll (und empfohlen) sein. Das gilt vor allem, wenn du in eine der Gruppen fällst, die ein höheres Risiko für schwere Verläufe haben. Dazu zählen insbesondere:
- Personen mit geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel durch angeborene Immundefekte, fehlende oder nicht funktionsfähige Milz, HIV‑Infektion, Organ‑ oder Knochenmarktransplantation
- Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen, zum Beispiel Diabetes, chronische Erkrankungen des Herz‑Kreislauf‑Systems, chronische Erkrankungen der Atmungsorgane, Leber‑ oder Nierenerkrankungen und Erkrankungen des Nervensystems
- Personen mit erhöhtem Meningitis‑Risiko, zum Beispiel durch ein Cochlea‑Implantat oder Liquorfistel
- Menschen mit einem beruflichen Risiko, zum Beispiel Schweißen und Trennen von Metallen (Risiko durch Einatmen von Metallrauchen)
Und wie ist es bei Kindern?
Für Säuglinge und Kleinkinder gehört die Pneumokokken-Impfung zu den Standardimpfungen im frühen Kindesalter, da ihr Immunsystem besonders anfällig für schwere Infektionen ist. Die STIKO empfiehlt die Pneumokokken‑Impfung für alle Kinder ab dem vollendeten 2. Lebensmonat – mit 3 Impfungen (2, 4, 11 Monate). Frühgeborene bekommen 4 Impfungen (2, 3, 4, 11 Monate). Nach dem 2. Geburtstag wird sie für gesunde Kinder in der Regel nicht weiter empfohlen – außer bei bestimmten Risiken. Erfahre mehr über Kinder-Schutzimpfungen.
Welche Pneumokokken-Impfstoffe gibt es – und was bedeutet PCV20?
Wenn du dich impfen lässt, stolperst du schnell über Abkürzungen wie PCV20 oder PPSV23. Kurz und verständlich:
- PCV = Pneumokokken‑Konjugatimpfstoff
- PPSV = Pneumokokken‑Polysaccharidimpfstoff
- Die Zahl (20, 23 …) steht für die Anzahl der Pneumokokken‑(Sero)typen, gegen die der Impfstoff schützt.
Konjugat vs. Polysaccharid – der einfache Unterschied
Beide Impfstofftypen zielen auf Bestandteile (Zuckerketten) auf der Oberfläche der Pneumokokken. Beim Konjugatimpfstoff sind diese Zuckerketten an ein Protein gekoppelt – das kann die Immunreaktion verstärken.
Warum das auch historisch wichtig ist: Polysaccharid‑Impfstoffe lösen bei Kindern unter 2 Jahren keine ausreichende Immunantwort aus – deshalb spielen Konjugatimpfstoffe dort eine große Rolle.
Impfablauf und Abstände: Wie oft, wann, Kombination mit anderen Impfungen
Heute wird nur noch der Impfstoff PCV20 eingesetzt. Wenn du früher schon PPSV23 bekommen hast, dann gilt: Nach einer PPSV23‑Impfung soll PCV20 in einem Mindestabstand von 6 Jahren gegeben werden.
Eine Ausnahme gibt es bei schwerer Immunschwäche. Bei schwerer Immunschwäche kann PCV20 auch schon im Mindestabstand von 1 Jahr nach PPSV23 erfolgen (oder 1 Jahr nach PCV13/PCV15 kann PCV20 erwogen werden).
Muss PCV20 irgendwann aufgefrischt werden?
Die Immunität hält nicht lebenslang an. Eine Zweitimpfung wird jedoch nur für Patientinnen und Patienten mit Immundefekten empfohlen, weil die Schutzwirkung von Mal zu Mal abnimmt. Außerdem werden die Impfreaktionen – wie Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, Fieber, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen – mit jeder erneuten Impfung heftiger.
Kombi mit Grippeimpfung oder COVID‑Impfung?
Wenn du ohnehin im Herbst/Winter deine Impfungen sortierst: Zwischen Pneumokokken‑Impfung und anderen Totimpfstoffen (dazu zählen auch Grippeimpfstoffe für Erwachsene) muss laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit kein Abstand eingehalten werden. Das kann – je nach Praxis – sogar am selben Termin in unterschiedliche Arme passieren.
Schnell‑Check: Passt die Impfung zu dir?
| Situation | Empfehlung | Typischer Impfstoff |
|---|---|---|
| Du bist gesund, unter 60, kein berufliches Risiko | meist keine Routine Impfung | – |
| Du bist unter 60, hast aber chronische Erkrankung / Immunschwäche | Indikationsimpfung | PCV20 |
| Du hast ein berufliches Risiko (z. B. Metallrauche) | Indikationsimpfung | PCV20 |
| Du bist 60+ | Standardimpfung | PCV20 |
| Du hattest früher PPSV23 | PCV20 nach mind. 6 Jahren (Ausnahmen möglich) | PCV20 |
Hinweis: Das ist ein verständlicher Überblick, ersetzt aber nicht die individuelle ärztliche Einschätzung.
Nebenwirkungen: Was ist normal, wann solltest du reagieren?
Die meisten Nebenwirkungen sind klassische Impfreaktionen – Zeichen, dass dein Immunsystem arbeitet. Dazu zählen:
- Rötungen, Schwellungen und leichte Schmerzen an der Einstichstelle
- Leichtes Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit sowie Muskel‑ und Gelenkschmerzen
Sie klingen in der Regel nach zwei bis drei Tagen ab.
Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. Wenn du unsicher bist oder Symptome ungewöhnlich stark auftreten oder lange anhalten, melde dich in deiner Arztpraxis.
Muss man bei Erkältung verschieben?
Ein Punkt, der im Alltag ständig vorkommt: leichter Schnupfen kurz vor dem Termin. Laut dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit sind banale Infekte (auch mit leicht erhöhter Temperatur bis 38,5 Grad) in der Regel kein Grund, eine STIKO‑Impfung zu verschieben. Im Zweifel fragst du die impfende Praxis.
Kosten und Erstattung: So läuft’s bei der mkk
Wenn die Pneumokokken‑Impfung für dich STIKO‑empfohlen ist (Standard- oder Indikationsimpfung), ist der organisatorische Teil meistens erfreulich unspektakulär.
Für Schutzimpfungen, die die STIKO empfiehlt, übernimmt die mkk – meine krankenkasse die Kosten – inklusive Beratung, Impfung und Impfstoff.
So bekommst du die Leistung (in 3 Schritten)
- Impfberatung in deiner Hausarzt‑ oder Facharztpraxis (ggf. Betriebsarzt)
- Du legst einfach deine Gesundheitskarte vor
- Die Praxis rechnet direkt mit der mkk ab – du musst nichts vorstrecken.
Die Erstattung von Impfkosten ist einer der vielen Vorteile der gesetzlichen Krankenversicherung.
Häufige Fragen zur Impfung gegen Lungenentzündung (Pneumokokken)
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Schützt die Impfung vor jeder Lungenentzündung?
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Nein. Sie schützt gezielt gegen Erkrankungen durch Pneumokokken (bestimmte Serotypen). Es gibt andere Ursachen für Lungenentzündung (beispielsweise Viren), gegen die keine Impfungen existieren.
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Ich bin 25 und fit – brauche ich das?
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Meist nicht routinemäßig. Relevant wird es vor allem, wenn du eine Indikation hast (zum Beispiel chronische Erkrankung, Immunschwäche, spezielles berufliches Risiko).
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Was bedeutet PCV20 genau?
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Der Name steht für Pneumococcal Conjugate Vaccine. Die „20“ gibt an, gegen wie viele Serotypen des Bakteriums Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken) er schützt.
PCV20 ist heute der am häufigsten verwendete Pneumokokken-Impfstoff für Erwachsene in Deutschland.
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Warum wird heute nicht mehr mit PPSV23 geimpft?
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PCV20 hat den Polysaccharidimpfstoff PPSV23 als Standard-Impfstoff gegen Pneumokokken abgelöst, da er einen breiteren und potenziell länger anhaltenden Schutz bietet.
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Wo kann ich mich gegen Pneumokokken impfen lassen?
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In der Regel kannst du dich in deiner Hausarztpraxis, bei Fachärztinnen und -ärzten oder ggf. auch beim Betriebsarzt impfen lassen.
Infobox
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Was sind Pneumokokken?
- Pneumokokken sind Bakterien aus der Familie der Streptokokken. Sie können verschiedene Erkrankungen auslösen – beispielsweise Nasennebenhöhlen-, Mittelohr- oder Hirnhautentzündungen sowie Blutvergiftungen. Experten schätzen, dass 20 bis 50 Prozent aller durch Bakterien verursachten Lungenentzündungen auf ihr Konto gehen.
Pneumokokken siedeln sich im Nasen-Rachen-Raum an und werden beim Husten oder Niesen von Mensch zu Mensch übertragen. Tückisch ist, dass auch Gesunde den Erreger weitergeben: Jeder kann, ohne selbst zu erkranken, ein "Wirt" sein und unbewusst zu einer Ansteckungsgefahr für andere werden. Eine Impfung ist somit praktisch die einzige Art, einer Pneumokokken-Infektion wirksam vorzubeugen.
Wer ist anfällig?
Warum manche Menschen an Pneumokokken erkranken und andere nicht, ist nicht genau bekannt. Fest steht, dass die allgemeine Abwehrlage eine entscheidende Rolle spielt.
- Wer gerade eine Viruserkrankung durchgemacht hat – eine Grippe oder selbst eine harmlose Erkältung – ist anfällig.
- Auch chronische Erkrankungen des Herzens oder der Lunge, ein behandlungsbedürftiger Diabetes sowie bestimmte neurologische Krankheiten erhöhen das Risiko, sich mit Pneumokokken zu infizieren.
- Grundsätzlich lassen sich bakterielle Infekte zwar mit Antibiotika behandeln. Allerdings entwickeln immer mehr Erreger Resistenzen, so dass der vorbeugende Impfschutz zunehmend wichtig wird.
Wie wirkt die Impfung?
Ab einem Alter von 60 Jahren rät die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Erwachsenen zu einer Impfung gegen Pneumokokken.
Die Immunität hält allerdings nicht lebenslang an. Eine Zweitimpfung wird jedoch nur für Patienten mit Immundefekten empfohlen, weil die Schutzwirkung von Mal zu Mal abnimmt. Außerdem werden die Impfreaktionen – wie Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, Fieber, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen – mit jeder erneuten Impfung heftiger.
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