Impfung gegen HPV
Seit über zehn Jahren gibt es die Impfung gegen HPV, die Frauen vor Gebärmutterhalskrebs schützt. Doch auch Männer können sich mit dem Virus infizieren. Das erhöht nicht nur die Ansteckungsgefahr für ihre Partnerinnen oder Partner, sondern auch ihr eigenes Krebsrisiko. Bei Männern können die Viren Anal- und Peniskrebs sowie Krebs im Mund- und Rachenraum auslösen. Jetzt wird die Impfung auch für Jungen empfohlen.
So häufig wie ein Husten
Darüber spricht niemand gern: Warzen im Genitalbereich. Sie werden von HPV (=Humanen Papillomviren) verursacht und zählen zu den Geschlechtskrankheiten. Bei sexuellen Kontakten zwischen Mann und Frau oder zwischen Männern kann der Erreger weitergegeben werden. Eine Infektion mit dem HP-Virus ist bei sexuell aktiven Menschen so häufig wie eine ganz normale Erkältung. Rund 80 Prozent aller Frauen und über die Hälfte bis zwei Drittel aller Männer im Erwachsenenalter haben sich irgendwann in ihrem Leben einmal mit dem genitalen HPV infiziert. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass bei ihnen auch Symptome auftreten. Denn meist wird der Körper mit der Infektion fertig, ohne dass die Betroffenen davon etwas merken.Fakten zu HPV
Erste Impfung gegen Krebs
Seit etlichen Jahren gibt es für Frauen die Schutzimpfung gegen HPV – als erste Impfung gegen Krebs überhaupt. Der bisher meist verwendete Impfstoff wirkt gegen zwei der häufigsten HPV-Typen, HPV 16 und HPV 18, die für 70 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich sind. Mittlerweile steht auch ein Vierfach-Impfstoff für Männer und Frauen zur Verfügung, der außerdem bei Männern das Auftreten von Genitalwarzen vermindert. In wieweit er sie auch vor Krebs schützt, muss noch wissenschaftlich nachgewiesen werden.
Impfempfehlung für Jungen
Für Harald zur Hausen, der mit seinen Forschungen den Zusammenhang von Viren und Gebärmutterhalskrebs belegt und damit die Grundlage für die Entwicklung der HPV-Impfstoffe geschaffen hat, ist die Impfempfehlung für Jungen längst überfällig gewesen. In einem Interview mit dem Krebsinformationsdienst sagte er: "Das offensichtlichste Argument ist, dass in nahezu allen Kulturen die jungen Männer mehr Sexualpartner haben als Frauen der gleichen Altersgruppe. Damit sind Männer die wichtigsten Verbreiter der Infektion. Ich habe immer plakativ gesagt: Würden wir nur die Jungs impfen, würden wir wahrscheinlich mehr Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhüten als mit der ausschließlichen Impfung der Mädchen!"
Grundsätzlich ratsam ist die Impfung im Alter zwischen 9 bis 14 Jahren, damit Jugendliche möglichst schon vor ihrem ersten Sexualkontakt geschützt sind. Doch auch später ist eine Impfung noch sinnvoll, um erneute Ansteckungen zu verhindern.
Die STIKO empfiehlt die Impfung auch für Jungen. Das soll dazu beitragen, die Infektionskette zwischen Sexualpartnern zu unterbrechen – ganz gleich welchen Geschlechts. "Werden Jungen geimpft", so Harald zur Hausen, "so profitieren außerdem auch homosexuelle Männer, die ein besonders hohes Risiko für HPV-bedingte Krebsarten haben."
"Das ist ein tabubesetztes Thema", räumt Jens Hermes, Impf-Experte der mkk, ein. "Doch nur, wenn wir die Augen nicht vor der Realität schließen, nehmen wir die Gesundheitsvorsorge aller Patienten ernst."
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