Rücken-OP erfolgreich vermieden
Als Maren Belles Beschwerden im Rücken und die Kopfschmerzen immer stärker wurden, stand die Diagnose nach zahlreichen Untersuchungen fest: mehrere Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule mit totaler Spinalkanalstenose.
Die Empfehlung ihres behandelnden Arztes war eindeutig. Eine Operation schien aus medizinischer Sicht der nächste Schritt zu sein. Doch damit gab sich die jetzt 68-Jährige Berlinern nicht zufrieden. Mithilfe des Versorgungssteuerungsteams der mkk – meine krankenkasse konnte sie sich kurzfristig eine zweite Meinung einholen. Es folgte ein konservatives Rückenprogramm, das auf gezielte Bewegung, Stabilisierung und Schmerzbewältigung sowie psychologischer Betreuung setzt. Heute berichtet sie offen über ihre Erfahrungen, was sie gelernt hat und wie es ihr heute geht.
Welche Beschwerden hatten sie?
Ich hatte schon länger mit Problemen an der Halswirbelsäule und Rückenschmerzen zu kämpfen. Im MRT stellten die Ärzte fest, dass ich eine Spinalkanalstenose, also eine schmerzhafte Verengung des Wirbelkanals, hatte.
Im Frühjahr 2020 häuften sich dann die Beschwerden. Die Arme sind mir in der Nacht eingeschlafen, tagsüber hatte ich mit Impulskopfschmerzen zu kämpfen. Es folgten Bandscheibenvorfälle in der Halswirbelsäule, sodass mein Orthopäde recht abgeklärt die Faktenlage zusammenfasste. „Naja, jetzt kommt die Operation. Das ist die Standardbehandlung bei einer totalen Stenose und drei Bandscheibenvorfällen. Ich überweise Sie an einen Neurochirurgen.“
Wie war Ihre Reaktion?
Ich war wie vor den Kopf gestoßen und dachte mir: Eine Operation an der Halswirbelsäule? Das kann gefährlich sein. Ich hatte große Zweifel, dass eine OP meinen Zustand verbessern könnte. Der Hals ist ein sensibler Bereich, zum Beispiel können bei einer Operation die Stimmbänder beschädigt werden. Eine Arbeitskollegin konnte sich nach einem Eingriff nicht mehr richtig bewegen, weil ihre Wirbel mit einer Platte fixiert und somit versteift wurden.
Was haben Sie dann gemacht?
Ein Familienmitglied empfahl mir, bei meiner Krankenkasse, der mkk, nachzufragen, ob es nicht eine alternative Behandlung gibt. Die Versorgungsmanagerin erkannte den Ernst meiner Lage und organisierte mir einen zeitnahen Termin für eine Zweitmeinung im Rückenzentrum am Markgrafenpark in Berlin.
Was passierte bei diesem Termin?
Ich sollte für den so genannten Diagnostiktag drei bis vier Stunden einplanen. Diese Zeit wurde auch gut ausgeschöpft, denn die Anamnese war sehr ausführlich. Ich stellte mich bei verschiedenen Expertinnen und Experten vor. Darunter waren Orthopäden, Sportmediziner, Physiotherapeuten und Psychologen.
Anhand des Anamnesebogens und der Einschätzung der Fachkräfte wurde einstimmig festgestellt, dass bei meinem Krankheitsbild eine Rückenoperation nicht notwendig sei und ich im vierwöchigen Rückenprogramm „Charly orange“ aufgenommen werden kann.
Das war sicherlich eine gute Nachricht, oder?
Sie können sich nicht vorstellen, wie erleichtert ich war. Die Angst fiel von mir ab und ich fühlte mich zuversichtlich. Nicht nur, weil ich am Versorgungsprogramm teilnehmen konnte. Zum ersten Mal hatte sich ein Arzt die Zeit genommen, mir meinen Befund ausführlich zu erklären. Ich hatte das Gefühl, als Individuum behandelt zu werden und nun eine Behandlung zu bekommen, die auf mich zugeschnitten ist. Ganz anders als bei meinem ehemaligen Orthopäden, der nach Schema F vorgehen wollte.
Erzählen Sie vom Rückenprogramm. Wie sah die Therapie aus und wie waren Ihre Erfahrungen?
Ich war während des Programms krankgeschrieben. Doch es gibt auch berufsbegleitende Modelle, die dann am Feierabend durchgeführt werden können. Meine Anwendungen fanden ähnlich wie bei einer ambulanten Kur von 8 bis 13 Uhr vor Ort statt.
Doch mit Kur hatte das Programm wenig zu tun. Denn von Tag Eins an hatten ich und meine Gruppe einen festen Stundenplan, der viel von uns forderte: Gerätetraining, Übungen auf der Matte zur Stärkung der Muskulatur. Unterbrochen von lockeren Spielen oder Einheiten an der Kletterwand, um spezielle Muskelgruppen zu trainieren.
Das Programm verfolgte einen ganzheitlichen Ansatz und bezog die psychische Situation mit ein. Deshalb hatte ich regelmäßig Gespräche mit einer Psychologin und zusätzlich Gruppentherapie.
Das klingt nach einem anspruchsvollen Training. Was hat sie motiviert, weiter zu machen?
Die Tage im Rückenzentrum waren definitiv anstrengend. Und einige Einheiten haben keinen Spaß gemacht. Aber ich wusste, wofür es gut ist: meine Muskulatur aufzubauen und die Schmerzen zu reduzieren.
Wirklich hilfreich war die Ergotherapie. Die Trainer gaben uns unter anderem Tipps für den Alltag, also wie kann ich mich rückenschonend bücken und etwas anheben.
Motiviert hat mich auch eine Sporttherapeutin, die einen Ultraschall von meinen Bauchmuskeln gemacht hat. Anhand der Bilder konnte ich sehen, wie die Muskeln während der Übungen angesprochen wurden.
Und weil meine Gruppe so fleißig war, gab es dann gegen Ende für jeden eine Belohnungsmassage, die wir sehr genossen haben.
Wie ging es Ihnen nach vier Wochen intensiver Betreuung? Was konnten Sie in den Alltag mitnehmen?
Wenn man gezielt seine Muskulatur trainiert und in Bewegung ist, verändert sich vieles im Körper. Meine Haltung war aufrechter, ich bin anders gelaufen. Außerdem habe ich beim Sitzen darauf geachtet, immer wieder die Sitzposition zu ändern. Ich bin insgesamt kräftiger und kann zum Beispiel mehr Flaschen anheben als vor dem Programm. Am wichtigsten ist aber, dass ich mehr oder weniger schmerzfrei bin – auch jetzt noch nach sechs Jahren. Hin und wieder habe ich Kopfschmerzen, doch die vergehen wieder.
Kam das Thema OP in der Zwischenzeit wieder zur Sprache?
Nein, zum Glück nicht. Vor einem Jahr war ich wieder beim MRT. Die Untersuchung hat aber keine wesentlichen Veränderungen gezeigt.
Die Zeit im Rückenzentrum hat sicherlich dazu beigetragen, dass ich bis dato beschwerdefrei bin. Jedoch ist auch Eigeninitiative von jeder Patientin und jedem Patienten gefragt. Das heißt, man muss diszipliniert die gelernten Übungen daheim selber weitermachen. Außerdem gehen mein Mann und ich zweimal die Woche zum Reha- und Seniorensport. Dort wird gezielt auf die Bedürfnisse unserer Altersgruppe eingegangen. Das alles hält uns fit und ist nur ein kleiner Preis im Vergleich zu einer Operation.
Würden Sie anderen Patientinnen und Patienten die Therapie empfehlen?
Unbedingt. Und ich rate jedem, Empfehlungen von Ärztinnen und Ärzten zu hinterfragen und sich zusätzliche Beratung einzuholen. Ich werde das zukünftig immer tun. Die mkk hat mit ihrem Team Versorgungssteuerung einen richtig guten Job gemacht und mir die Therapie ermöglicht, die mir weitergeholfen hat.
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