Druck in der Partnerschaft
Oft fällt es uns aber auch schwer, unsere wahren Bedürfnisse zu artikulieren, weil jemand großen Druck auf uns ausübt oder uns sogar Schuldgefühle macht. Vielleicht haben wir auch in vergangenen Beziehungen oder in unserer Kindheit und Jugend viel Druck erfahren und es fällt uns schwer, unseren Mund aufzumachen, weil wir negative Reaktionen fürchten. Das kann auch unbewusst sein – es hilft, sich zu fragen, was genau wir fürchten und ob das wirklich so schlimm ist. Wenn wir generell dazu neigen, "erstmal lieber nichts zu sagen", dann sollten wir unsere Verhaltensmuster überdenken. Gerade wenn man noch ungeübt ist, seine Wünsche zu äußern, hilft es, regelmäßig in sich hineinzuhorchen und bei Bedarf zu sagen: "Das fühlt sich gerade nicht richtig an". Und sich klarzumachen: Die eigenen Wünsche sind wichtig genug, um sie nicht zu ignorieren oder in sich hinein zu stopfen. Wenn wir jedoch regelmäßig Probleme haben, in einer Partnerschaft Gehör zu finden, sollten wir genau analysieren: In welchen Situationen? Welche Reaktion des Partners fürchten wir? Macht er uns Schuldgefühle? Druck in einer Beziehung ist nicht immer leicht zu erkennen und reicht von Überrumpelung zu Manipulation durch Schmeicheleien, Mitleidstour, "Breitquatschen" oder gar emotionale Erpressung. Hier sollten wir uns fragen: Drohen mir Konflikte, Zurückweisung oder Streit, wenn ich mich so verhalte, wie ich es gerade brauche? Interpretiert mein Partner mein "normales" Verhalten als negativ? Und welche Bedürfnisse kann ich nicht bei ihm äußern? Manchmal sind wir es uns selbst nicht bewusst, dass wir emotionalen Druck ausüben, denn viele unserer Beziehungsmuster übernehmen wir von früheren Beziehungen oder von den Eltern. Also sollte man sanft, aber bestimmt das Verhalten des Partners hinterfragen und ihm klar sagen, was nicht geht. Hört er nicht darauf, dann müssen wir die Verantwortung für uns selbst übernehmen und entscheiden, wie wir auf unsere Bedürfnisse achten. Vielleicht müssen wir Distanz suchen, womöglich hilft auch eine Paar- oder Einzeltherapie, die Konflikte zu lösen. In jedem Fall ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir erst noch lernen müssen, uns selbst echtes Verständnis für unsere Wünsche und Respekt vor unseren Grenzen entgegenzubringen. Und wenn es mal nicht klappt, und wir doch nachgeben, nicht allzu streng mit uns sein – schließlich lernen wir noch.