Grippeimpfung: Diese Nebenwirkungen können auftreten

Du fühlst dich nach der Grippeimpfung schlapp? Dein Arm schmerzt oder du hast leichtes Fieber? Das ist meistens kein Grund zur Sorge. Solche Beschwerden gehören zu den typischen Impfreaktionen und zeigen, dass dein Immunsystem auf die Impfung reagiert.

Die Grippeimpfung: Wichtiger Schutz vor Influenza

Die echte Grippe, medizinisch Influenza genannt, ist keine harmlose Erkältung. Sie wird durch Influenzaviren ausgelöst und beginnt oft plötzlich. Typisch sind hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Muskel- und Gliederschmerzen, trockener Husten und eine ausgeprägte Erschöpfung.

Bei vielen gesunden Menschen klingt eine Grippe nach einigen Tagen oder Wochen wieder ab. Trotzdem kann sie den Körper stark belasten und zu Komplikationen führen, etwa zu einer Lungenentzündung. Besonders gefährdet sind Menschen mit einem höheren Risiko für schwere Krankheitsverläufe.

Die Grippeimpfung kann eine Infektion nicht in jedem Fall verhindern. Sie kann aber dazu beitragen, das Risiko für Komplikationen und schwere Krankheitsverläufe zu senken. Deshalb ist es für bestimmte Gruppen besonders sinnvoll, sich jährlich gegen Grippe impfen zu lassen.

Wie bei allen Impfungen können auch nach der Grippeimpfung Nebenwirkungen oder Impfreaktionen auftreten. Die meisten Beschwerden sind mild und verschwinden nach kurzer Zeit von selbst.

Eine Mutter misst oral Fieber bei ihrem Sohn.

Grippe oder Erkältung? 11 Unterschiede einfach erklärt

Ob man eine Grippe oder eine Erkältung hat, lässt sich nicht immer genau sagen. Denn die Symptome ähneln sich: Halsschmerzen, Schnupfen, Erschöpfung. Doch es gibt auch einige entscheidende Unterschiede. Wer diese kennt, kann seine Heilung beschleunigen.

Was passiert im Körper nach der Grippeimpfung?

Viele Menschen fühlen sich nach der Grippeimpfung kurzzeitig müde, schlapp oder angeschlagen. Das bedeutet nicht, dass die Impfung eine Grippe ausgelöst hat. Vielmehr reagiert das Immunsystem auf den Impfstoff.

1. Das Immunsystem erkennt Bestandteile des Impfstoffs

Der Impfstoff enthält Bestandteile von Influenzaviren, die das Immunsystem erkennen kann. Die Zusammensetzung der saisonalen Grippeimpfstoffe wird regelmäßig angepasst. Grundlage ist ein aktueller, von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlener Impfstoff-Stamm beziehungsweise eine empfohlene Zusammensetzung für die jeweilige Saison.

2. Botenstoffe werden freigesetzt

Wenn das Immunsystem auf den Impfstoff reagiert, werden Botenstoffe freigesetzt. Diese unterstützen die Kommunikation zwischen Zellen, Geweben und Organen. Dadurch kann eine leichte, kontrollierte Entzündungsreaktion entstehen.

3. Der Körper baut Schutz auf

Während dieser Reaktion bildet der Körper Abwehrstoffe und Gedächtniszellen. Sie helfen dem Immunsystem, Influenzaviren bei einem späteren Kontakt schneller zu erkennen und zu bekämpfen.

Genau dieser Schutz ist das Ziel der Grippeimpfung. Wichtig ist: Auch wenn du nach der Impfung keine Beschwerden spürst, kann dein Körper trotzdem einen Impfschutz aufbauen.

Diese Nebenwirkungen können nach einer Grippeimpfung auftreten.

Impfreaktionen und Nebenwirkungen: Wo liegt der Unterschied?

Die Grippeimpfung ist in der Regel gut verträglich. Gelegentlich kommt es aber kurz danach zu Reaktionen, die sich unangenehm anfühlen können. Dabei ist es hilfreich, zwei Begriffe zu unterscheiden:

Impfreaktionen

Das sind die erwartbaren, kurzfristigen und harmlosen Reaktionen des Körpers auf die Impfung, wie oben beschrieben. Typisch sind:

  • Lokale Reaktionen an der Einstichstelle wie Schmerzen oder Druckempfindlichkeit, Rötung oder Schwellung
  • Müdigkeit oder allgemeines Schwächegefühl
  • Kopf- oder Gliederschmerzen
  • leichtes Fieber oder Frösteln
  • Übelkeit oder Schwindel

Diese allgemeinen Beschwerden treten laut Robert Koch Institut bei etwa 5 bis 10 Prozent der Geimpften kurz nach er Impfung auf. Sie sind in der Regel mild und klingen nach ein bis zwei Tagen von selbst wieder ab. Halten die Beschwerden länger an oder werden deutlich stärker, solltest du ärztlichen Rat einholen.

Nebenwirkungen

Das sind unerwünschte Wirkungen des Arzneimittels, die über das normale Maß einer Impfreaktion hinausgehen. Sie treten in der Regel erst drei oder mehr Tage nach der Impfung auf. Sie fühlen sich ähnlich an, halten aber länger an oder sind stärker ausgeprägt. Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten.

Was kann eine Grippeimpfung für schwere Nebenwirkungen haben?

Schwere Nebenwirkungen der Grippeimpfung sind sehr selten, aber sie können wie bei allen Impfungen nicht vollständig ausgeschlossen werden. Darunter fallen unter anderem:

Schwere allergische Reaktionen

In sehr seltenen Fällen kommt es nach der Impfung zu starken allergischen Reaktionen. Dazu gehören:

  • Anaphylaxie: eine schwere, schnell einsetzende Überreaktion des Immunsystems mit Symptomen wie plötzlichem Juckreiz, Atemnot, Schluckbeschwerden oder Kreislaufproblemen.
  • Angioödem: eine plötzlich auftretende Schwellung der tieferen Haut- und Schleimhautschichten, etwa im Gesicht oder Hals.

Beide Reaktionen erfordern sofortige medizinische Behandlung. Deshalb empfiehlt es sich, nach der Impfung noch 15 bis 20 Minuten in der Arztpraxis zu bleiben.

Vorübergehende Blutbildveränderungen (Thrombozytopenie)

In seltenen Fällen kommt es nach der Grippeimpfung zu einer sogenannten Thrombozytopenie. Das bedeutet, dass du zu wenig Blutblättchen im Blut hast. Blutplättchen sind wichtig für die Blutgerinnung, zum Beispiel damit Wunden aufhören zu bluten.

Eine Thrombozytopenie macht sich durch ungewöhnliche Blutergüsse oder verlängerte Blutungszeiten bemerkbar. Die Veränderung ist in der Regel vorübergehend. 

Guillain-Barré-Syndrom (GBS)

In sehr seltenen Fällen kann nach einer Grippeimpfung das Guillain-Barré-Syndrom auftreten. Das ist eine neurologische Erkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise das eigene Nervensystem angreift. Das kann zu Muskelschwäche oder Taubheitsgefühlen führen.

In der Regel wird ein GBS im Krankenhaus behandelt, zum Beispiel mit Antikörper-Infusionen oder einer Blutwäsche. Die meisten Betroffenen erholen sich innerhalb von Wochen bis Monaten vollständig, bei manchen bleiben leichte Beschwerden länger bestehen.

Das Risiko für diese Nebenwirkung der Impfung ist sehr gering. Auch eine Influenza-Erkrankung selbst kann ein GBS auslösen und das ist deutlich häufiger.

Wann sollte ich bei Nebenwirkungen der Grippeimpfung ärztliche Hilfe suchen?

Die meisten Reaktionen nach der Grippeimpfung sind harmlos. Trotzdem gibt es Symptome, bei denen du nicht abwarten solltest.

Bitte hole zeitnah ärztlichen Rat ein, wenn du nach der Grippeimpfung eines der folgenden Symptome bemerkst:

  • hohes Fieber über 39 Grad Celsius
  • Atemnot
  • starke allergische Reaktionen
  • Herzrasen oder Kreislaufprobleme
  • starke Schwellung oder Rötung, die sich ausbreitet
  • zunehmende Schmerzen an der Einstichstelle
  • Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Muskelschwäche
  • ungewöhnliche Blutergüsse
  • verlängerte Blutungszeiten
  • Beschwerden, die nach zwei Tagen nicht besser werden
  • Beschwerden, die sich deutlich verschlimmern

Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu viel nachfragen als zu lange warten.

Tipps für die Zeit nach der Grippeimpfung

Leichte Impfreaktionen selbst behandeln

Leichte Beschwerden kannst du meistens gut zu Hause behandeln.

Das kann helfen:

  • Kühle die Einstichstelle, wenn der Arm schmerzt oder geschwollen ist.
  • Trinke ausreichend Wasser.
  • Gönne dir Ruhe, wenn du dich müde oder angeschlagen fühlst.
  • Bei stärkeren Schmerzen oder Fieber können Schmerz- oder fiebersenkende Mittel helfen. Frage im Zweifel deine Ärztin oder deinen Arzt, welches Mittel für dich geeignet ist.

Schone dich am Impftag

Nach der Grippeimpfung musst du nicht ins Bett, wenn du dich fit fühlst. Intensive körperliche Belastung solltest du am Impftag und bei Beschwerden aber lieber vermeiden.

Leichte Bewegung ist meist unproblematisch. Ein Spaziergang kann sogar guttun.

Verzichte auf Alkohol

Größere Mengen Alkohol belasten den Körper zusätzlich. Deshalb ist es sinnvoll, rund um die Impfung maßvoll zu bleiben oder ganz auf Alkohol zu verzichten, besonders wenn du dich nach der Impfung nicht fit fühlst.

Erfahre mehr über Alkoholsucht und die Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum.

Sauna nur ohne Beschwerden

Hitze kann den Kreislauf zusätzlich belasten. Wenn du dich nach der Impfung schlapp fühlst, Fieber hast oder dein Arm stark schmerzt, solltest du auf Sauna lieber verzichten.

Wenn du beschwerdefrei bist, Sauna gewohnt bist und dich fit fühlst, spricht meist nichts gegen einen Saunabesuch. Im Zweifel frage ärztlich nach.

Fazit: Risiko und Nutzen der Grippeimpfung richtig einordnen

Die Grippeimpfung ist in der Regel gut verträglich. Häufige Beschwerden wie Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopf- oder Gliederschmerzen und leichtes Fieber sind meist harmlose Impfreaktionen. Sie klingen normalerweise nach kurzer Zeit wieder ab.

Schwere Nebenwirkungen der Grippeimpfung sind sehr selten. Gleichzeitig kann eine echte Influenza besonders für Menschen mit erhöhtem Risiko gefährlich werden. Dazu gehören ältere Menschen, Schwangere, chronisch Kranke und Personen mit engem Kontakt zu besonders gefährdeten Menschen.

Wenn du unsicher bist, ob du dich gegen Grippe impfen lassen solltest, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Das gilt besonders, wenn du chronische Erkrankungen hast, zu einer Risikogruppe gehörst oder schon einmal stark auf eine Impfung reagiert hast.

Mediziner mit Handschuhen verabreicht einer jungen Frau in einer Arztpraxis einen Impfstoff

Für wen ist die Grippeimpfung sinnvoll?

Jedes Jahr im Herbst stellt sich dieselbe Frage: Ist die Grippeimpfung sinnvoll für mich? Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt auf dein persönliches Risiko an. Für Menschen ab 60 Jahren, Schwangere, chronisch Kranke und bestimmte Berufsgruppen wird die Grippeimpfung klar empfohlen. Für gesunde Erwachsene ist sie meist keine Pflicht, kann aber trotzdem eine gute Entscheidung sein.

Frau liegt mit einem Taschentuch auf einer Couch.

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