Ist Stricken gesund? So wirkt Handarbeit auf Körper und Psyche
Stricken kann dir helfen, zur Ruhe zu kommen. Besonders für Wohlbefinden und Stimmung gibt es wissenschaftliche Hinweise. Wie belastbar die Studien sind, wie viele Kalorien du beim Stricken verbrauchst und wie du dabei Hände und Nacken schonst, liest du hier.
Inhaltsverzeichnis
Ist Stricken gesund? Das zeigt die Forschung
Stricken kann deinem Wohlbefinden guttun. Vor allem für Entspannung und Stimmung gibt es Hinweise. Ob regelmäßiges Stricken langfristig die Gesundheit verbessert oder psychische Erkrankungen verhindert, lässt sich bislang nicht sicher sagen.
Ein systematischer Review aus dem Jahr 2025 untersuchte 19 Studien zu therapeutisch eingesetzten Handarbeiten, darunter Stricken. Die Teilnehmenden berichteten nach den Angeboten über bessere Stimmung und andere positive Veränderungen. Die Studien waren jedoch sehr unterschiedlich aufgebaut und oft methodisch schwach. Für eine gesicherte medizinische Wirkung reicht das nicht aus.
Stricken ist damit ein möglicher Baustein für einen ausgeglichenen Alltag, aber kein Ersatz für Bewegung oder eine notwendige Behandlung.
Erfahre mehr über gesunde Gewohnheiten und wie viel Bewegung man am Tag haben sollte.
Stricken gegen Stress: Warum kann das beruhigen?
Masche für Masche wiederholen sich ähnliche Handgriffe. Du konzentrierst dich auf den Faden, zählst Reihen und siehst, wie dein Strickstück wächst. Das kann helfen, den Kopf von anderen Gedanken freizubekommen. Gerade bei einfachen Mustern empfinden viele Menschen diese Beschäftigung als entspannend.
Eine internationale Umfrage unter 3.545 Strickenden ergab 2013: Wer häufiger strickte, berichtete eher davon, sich ruhig und glücklich zu fühlen. Das ist ein interessanter Zusammenhang, aber kein Beweis dafür, dass Stricken diese Gefühle verursacht. An der Umfrage nahmen Menschen aus einer Online-Strickgemeinschaft teil, die dem Hobby ohnehin nahestanden.
Du kannst die Zeit mit den Nadeln als bewusste Pause nutzen. Schalte Benachrichtigungen aus und beschäftige dich für eine Weile nur mit deinem Projekt. Wie eine solche Auszeit vom Bildschirm gelingt, erfährst du in unserem Ratgeber zu Digital Detox. Weitere Anregungen findest du im Artikel innere Ruhe finden.
Stricken und Psyche: Was bringt das Hobby noch?
Beim Stricken entsteht etwas Greifbares. Ein fertiger Schal oder ein paar selbst gestrickte Socken können stolz machen. Gleichzeitig erfordert das Muster Aufmerksamkeit, Planung und etwas Fingerfertigkeit. Diese Mischung aus Konzentration und Kreativität ist für manche Menschen ein angenehmer Ausgleich.
Stricken muss keine Einzelbeschäftigung sein. In Strickgruppen oder beim gemeinsamen Handarbeiten kannst du dich austauschen und Kontakte pflegen. Auch in der Umfrage von 2013 ging gemeinsames Stricken mit einer höheren selbst berichteten Zufriedenheit einher.
Wichtig ist die Grenze der Forschung: Dass Stricken Demenz vorbeugt, die Gedächtnisleistung messbar steigert oder Depressionen heilt, ist nicht belegt. Es kann dir guttun, ohne eine Therapie zu ersetzen. Wenn du weitere Wege für deinen Alltag suchst, helfen dir unsere Tipps zur Stressbewältigung und zur Achtsamkeit.
Erfahre, was man gegen Depressionen tun kann.
Kalorienverbrauch beim Stricken: So viel ist es
Beim Stricken verbrauchst du Energie, allerdings nur wenig mehr als beim ruhigen Sitzen. Das internationale Compendium of Physical Activities ordnet leichtes Stricken im Sitzen mit 1,3 MET ein. MET ist eine Einheit, mit der sich der Energieverbrauch verschiedener Tätigkeiten vergleichen lässt.
Für 60 Minuten ergeben sich daraus ungefähr folgende Werte:
| Körpergewicht | Kalorienverbrauch beim Stricken | Davon zusätzlich zum Ruheverbrauch |
|---|---|---|
| 60 kg | ca. 78 kcal | ca. 18 kcal |
| 70 kg | ca. 91 kcal | ca. 21 kcal |
| 80 kg | ca. 104 kcal | ca. 24 kcal |
Kalorienverbrauch beim Stricken
Die Tabelle zeigt grobe Schätzwerte. Sie umfasst den gesamten Verbrauch während der Stunde, also auch die Energie, die dein Körper im Ruhezustand benötigt. Bei 70 Kilogramm sind das nur rund 20 zusätzliche Kilokalorien gegenüber ruhigem Sitzen. Wie hoch dein persönlicher Stricken-Kalorienverbrauch ausfällt, hängt unter anderem von deinem Körpergewicht und deiner Bewegung ab.
Zum Abnehmen oder als Ausdauertraining eignet sich Stricken deshalb nicht. Ergänze längere Strickstunden lieber durch Bewegung. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen unter anderem mindestens 150 bis 300 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität pro Woche.
Gesund stricken: So vermeidest du Beschwerden
Langes Stricken kann Hände, Handgelenke, Schultern und Nacken beanspruchen. Wechsel deshalb regelmäßig deine Sitzposition, lege Pausen ein und stehe zwischendurch auf. Stütze die Unterarme bei Bedarf ab und halte die Schultern locker. Ein gut beleuchteter Platz hilft dir, dein Muster ohne unnötiges Vorbeugen zu erkennen.
Wenn deine Finger oder Handgelenke schmerzen, kribbeln oder taub werden, unterbrich das Stricken. Reduziere Tätigkeiten, die Beschwerden auslösen. Halten die Probleme an oder kehren sie wieder, lass sie ärztlich abklären.
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Entspannung mit der mkk: Diese Kurse kannst du nutzen
Stricken kannst du einfach zu Hause ausprobieren. Wenn du lernen möchtest, Stress gezielt zu bewältigen, bietet dir die mkk – meine krankenkasse passende Gesundheitskurse an. Bei zertifizierten Kursen, zum Beispiel zur Entspannung, übernehmen wir 80 Prozent der Kosten für bis zu zwei Kurse pro Kalenderjahr. Es gelten die jeweiligen Teilnahme- und Erstattungsbedingungen.
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Häufige Fragen zum Stricken
Eine wissenschaftlich belegte Mindestdauer gibt es nicht. Starte beispielsweise mit 10 bis 15 Minuten und achte darauf, ob dir die Beschäftigung guttut. Sobald die Hände ermüden oder du dich verkrampfst, mach eine Pause.
Stricken kann eine beruhigende Beschäftigung sein und dir im Alltag Freude machen. Es ist aber keine nachgewiesene Behandlung von Angststörungen oder Depressionen. Wenn dich solche Beschwerden belasten, such dir professionelle Unterstützung.
Lies mehr darüber, wie du Ängste überwinden kannst.
Du musst Muster verstehen, Maschen zählen und dich konzentrieren. Das fordert deine Aufmerksamkeit. Dass Stricken deshalb die Gedächtnisleistung langfristig verbessert oder vor Demenz schützt, ist bisher nicht ausreichend belegt.
Auch Häkeln verbindet wiederholte Handbewegungen mit Konzentration und Kreativität. Welche Beschäftigung dich besser entspannt, ist individuell. Aussagekräftige Studien, die beide Hobbys direkt vergleichen, fehlen.
Quellen
- Riley, J., Corkhill, B., Morris, C. (2013): The Benefits of Knitting for Personal and Social Wellbeing in Adulthood. British Journal of Occupational Therapy, 76(2), 50–57.
- Bukhave, E. B., Creek, J., Linstad, A. K., Frandsen, T. F. (2025): The effects of crafts-based interventions on mental health and well-being: A systematic review. Australian Occupational Therapy Journal, 72(1), e70001.
- Herrmann, S. D. et al. (2024): 2024 Adult Compendium of Physical Activities. Journal of Sport and Health Science, 13(1), 6–12; Aktivitäten: Knitting, 1,3 MET.
- World Health Organization (2020): WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour.
- National Health Service (NHS): Wrist pain – Guidance.
Alle Quellen abgerufen am 8. Oktober 2026.
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